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Im Zentrum dieser Arbeit steht die Analyse der Intertextualität zwischen Literatur und Film: nämlich “Film als Erweiterung der Litertur - Literatur als Erweiterung des Films”. Der Schwerpunkt wird auf den Vergleich von Theodor Fontanes Roman Ef...
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Analyse der Intertextualität zwischen Literatur und Film: nämlich “Film als Erweiterung der Litertur - Literatur als Erweiterung des Films”. Der Schwerpunkt wird auf den Vergleich von Theodor Fontanes Roman Effi Briest und Rainer Werner Fassbinders Film Fontane Effi Briest gelegt.
Die siebzehnjährige Effi Briest wird mit dem einundzwanzig Jahre älteren Innstetten verheiratet. Sie ist jedoch unglücklich, weil Instetten prinzipientreu und ehrgeizig ist, und nur gesellschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten sucht. Somit erschwert er die Ehe und unterdrückt das persönliche Glück Effis. Effi versucht durch Crampas, aus ihrer Entfremdung herauszukommen. Zwischen Effi und Crampas entwickelt sich eine zwischen Tandelei und Leidenschaft pendelnde Beziehung, die mit dem Umzug der Familie Innstetten nach Berlin endet. Innstetten entdeckt nach sechs Jahren zufällig Briefe, die Effi von Crampas erhalten hat. Er tötet Crampas in einem Duell und treibt zur Scheidung von Effi, sie stirbt nach einem Jahr. Fontane beschreibt durch das tragische Schicksal Effis die erstaarte konventionelle Ordnung der Gesellschaft.
Fontanes Roman ist in 36 unbetitelte Kapitel eingeteilt und Fassbinders Film zeigt ca. 470 Kameraeinstellungen. Beide Texte sind ähnlich proportioniert; sie lassen sich einteilen in einen Einleitungsteil, in drei Hauptteile und einen Schlußteil. Es liegt nahe, den Vergleich von ‘Handlung und Charakter’ in Roman und Verfilmung nach dramatischen Strukturierungskategorien zu gliedern. Fassbinder hat den Fontaneschen Wortlaut in Erzähltext und Dialog beibehalten und die dominante Gesprächstruktur des Romans übernommen. Vorwiegend ruhige, meist auf halbnah distanzierende Kameraeinstellungen ermöglichen den oft langen, sprachlich recht ausgefeilten Dialogen aufmerksam zu folgen.
Im Brechtschen Sinne “Verfremdungseffekt” versucht Fassbinder, die traditionelle Narrativführung aufzugeben und bietet dem Publikum stattdessen das Dargestellte eher als Untersuchungsgegenstand an: Nämlich sein Film stört die illusionierenden Sehgewohnheiten des Publikums erheblich und trägt zu dessen Desillusioniereng bei. Beispielsweise läßt Fassbinder die im Roman zurückhaltend auktoriale Erzählsituation auffällig hervortreten und macht dadurch dem Filmbetrachter immer wieder bewußt, dass hier eine Geschichte erzählt wird: D.h. der Off-speaker übernimmt die der literarischen Vorlage entlehnte Erzählerrole, um einzuführen, vorzustllen, zusammenzufassen und beobachtbare Erklärungszusammenhänge zu liefern. Die Schauspieler in vollkommener Bewegungslosigkeit kommt auch oft in Fassbinders Film. Die Standbilder können z.B. dazu lenken, das Verhalten der Figuren als starr, in Konventionen eingebunden zu interpretieren und die Figuren letztlich selbst als Statuen unter Statuen aufzufassen. Außerdem versucht Fassbinder, durch das Framing mit Gittern, Türrahmen und Spiegel die kommunikativen Störungen der Personen oder das Objekte der geistigen Verschlossenheit darzustellen.
Die Arbeit, aus Literatur Film werden zu lassen, besteht in der intensiven Auseinandersetzung mit der Literaturvorlage. Literatur und Film stehen in einer wechselseitigen Beziehung. Film gibt eine Möglichkeit, den literarischen Bereich zu erweitern, Literatur könnte durch ihre ästhetische Struktur filmischen Bereich schöpferisch ausweiten.