Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Literatur von Bernhard Schlink, der als deutscher Jurist und Schriftsteller weltweit bekannt ist. In seiner Literatur kann man seinen historischen Standpunkt und ethischen Horizont untersuchen. Die Roma...
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Literatur von Bernhard Schlink, der als deutscher Jurist und Schriftsteller weltweit bekannt ist. In seiner Literatur kann man seinen historischen Standpunkt und ethischen Horizont untersuchen. Die Romane Der Vorleser, Die Heimkehr und Das Wochenende sind Beiträge zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte und Vergangenheit. Obwohl Schlink ursprünglich als Autor von Kriminalromanen bekannt geworden ist, helfen seine nachfolgenden Romane die schweren Wunden der deutschen Zeitgeschichte zu verstehen.
Die Geschichte des 20. Jahrhunderts war für Deutschland eine Geschichte des Grauens und Leidens, die im Nationalsozialismus und im 2. Weltkrieg kulminierte. Im Zuge der Nachkriegszeit folgte der gesellschaftliche Aufbruch mit der 68er-Bewegung, der Mauerfall beendete den Kalten Krieg und am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland wiedervereinigt.
Bernhard Schlink wurde 1944 geboren. Er gehört zu jener Generation, die zur 68er-Bewegung gezählt wird. Die aufreibenden 1960er Jahre in Europa haben seine Weltanschauung maßgeblich geprägt und verändert. Seine persönlichen Erfahrungen und die deutsche Zeitgeschichte haben in unterschiedlicher Ausprägung einen großen Einfluss auf seine Literatur. Insbesondere handeln seine Romane vom Generationenkonflikt zwischen Kriegsgeneration und 68-er Generation, von historischem Erkenntnisinteresse, von Philosophie und über die Erfahrungen jeder Generation.
Schlink hat im Anschluss an die Verleihung des Park Kyong-Ri Literaturpreises seinen historischen Standpunkt, der in seinen Werken zum Ausdruck kommt, erklärt. Die verschiedenen Sichtweisen auf den Nationalsozialismus sind zwar miteinander verflochten, aber in jeder Generation anders ausgeprägt, abhängig davon, ob und wie man diese Zeit selbst erlebt hat oder nur von Geschichten der Eltern oder Großeltern kennt. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus kann folglich als eine Generationenfrage betrachtet werden. Das Schuldbewusstsein ist in der Kriegsgeneration wohl am stärksten vorhanden, bei den Kriegskindern und Enkeln lässt es nach und verdünnt sich. In diesem Kontext ist es wichtig, dass das Leben im Krieg in seinen Werken genau interpretiert wird.
In den drei Romanen werden folgende Fragen thematisiert: Haben die Deutschen die Vergangenheit aufgearbeitet, bewältigt und überwunden? Inwiefern hat sich das Gewaltmonopol des Staates verändert? Wie kann sich das Individuum unter der Staatsgewalt artikulieren? Wie kann ein möglicher Generationenkonflikt ausgetragen und bewältigt werden?
In den Romanen von Schlink geht es um Werte und Moral und den davon abgeleiteten historischen Standpunkt. Durch die Literatur kann Schlink den Leser fragen, was das wahre und gute Leben ist. Um diese Gewissensfragen kreisen letztlich alle Werke Schlinks.
Die Welt des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts war von vielen Transformationen gekennzeichnet. Die Ausübung von Staatsgewalt und Terror gehörten stets zum Alltag, doch die Gestalt und das Ausmaß veränderten sich. Aus diesem Grund fragt diese Arbeit nach dem Gewissen und dem Verständnis der Geschichte. Sie untersucht Vergangenheitsbewältigung nach ethischen Gesichtspunkten. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Staatsgewalt auch in einem demokratischen Staatsgebilde weiterhin existent ist. Die Individuen müssen sich dieser Staatsgewalt unterordnen, um einen anarchischen Zustand zu verhindern. Alle Individuen sollten sich bewusst sein, dass sie nur in Frieden leben können, wenn sie stets ihr Gewissen überprüfen und aufeinander aufpassen, um harmonisch zusammen zu leben. Durch die literarischen Werke von Schlink werden uns die Fragen vor Augen geführt.
In seinen Werken wollte Schlink nur über seine eigene Generation schreiben. Aber seine Leser können die deutsche Geschichte durch ständige Selbstreflexion und den Vergleich mit eigenen Erfahrungen besser verstehen und eine Antwort auf die oben aufgeführten Fragen bekommen.
Als Schriftsteller von Unterhaltungs- und Kriminalromanen wurde Schlink zu einem internationalen Bestsellerautor. Im Mittelpunkt seiner Werke stehen das Pflichtbewusstsein des Individuums und seine Stellung in der Geschichte. Außerdem können die Leser mit dem Autor über ihr Leben kommunizieren. Die Literatur von Schlink soll neoliberalen Tendenzen im Wirtschaftssystem entgegen wirken und die Gedankenlosigkeit in der Gesellschaft überwinden.