Die "Sprachgesellschaften" werden in der Forschungsliteratur zumeist negativ beurteilt; man findet sogar die Behauptung, sie h?tten gar nichts geleistet, weder im positiven noch im negativen Sinn.
Auf einigen Gebieten scheinen diese Vereine jedoch e...
Die "Sprachgesellschaften" werden in der Forschungsliteratur zumeist negativ beurteilt; man findet sogar die Behauptung, sie h?tten gar nichts geleistet, weder im positiven noch im negativen Sinn.
Auf einigen Gebieten scheinen diese Vereine jedoch eine betr?chtliche Wirkung ausge?bt zu haben, so vor allem auf dem der ?bersetzungskunst; noch nicht gen?gend aber nimmt man zur Kenntnis, da? viele dieser ?bersetzungen den Sprachgesellschaften zuzuschreiben sind. Die Satzungen der "DG" z.B. machten es geradezu zur Pflicht, da? die Mitglieder entweder al ?bersetzer oder als eigenst?ndige Schriftsteller sich bet?tigten.
Auch von den Poetiken des Jahrhunderts wurde die Kunst de ?bersetzens sehr anempfohlen.
Im 17. Jahrhundert war bei den ?bersetzungen nicht nur der Stoff ausschlaggebend, mehr noch schtete man auf die Form. Man versuchte, neue Ausdr?cke zu erfinden, oder hielt sich an das fremdsprachige Vorbild, um zu sehen, ob die deutsche Sprache derartiger Formen auch f?hig w?re. Durch jede solche ?bersetzung gewann die deutsche Sprache an Pr?zision und Ausdr?cksf?higkeit. Den jungen Dichtern empfahl man sogar, sich zuerst mit ?bersetzen zu besch?ftigen, ehe sie daran gehen sollten, eigene Werke zu schreiben. Die Kunst des ?bersetzens galt als Vorschule f?r die eigene, selbst?ndige Dichtung.
Eine nachhaltige Folgeerscheinung dieser ?bersetzungst?tigkeit war die Schaffung einer betr?chtlichen Anzahl neuer W?rter. Manche gegl?ckten Neologismen aus der damaligen Zeit befinden sich noch heute in Benutzung(z.B. W?rterbuch, Geschlechtswort, REchtschreibung, letzter Wille, Zeitwort).
Au?erdem regten die Sprachgesellschaften ihre Mitglieder sowie auch Au?en stehende zu weiteren Arbeiten an. Die Dichter bem?hten sich, gutes Deutsch zu schreiben , damit sie in die Orden aufgenommen wurden. Nach ihrem Eintritt in eine Gesellschaft rechneten sie es sich zur Ehre an, ihre Schriften unter ihren Gesellschaftsnamen herausgeben zu d?rfen.
Die Sprachgesellschaften wirkten auch darauf hin, das patriotische Gef?hl der Deutschen zu erwecken. G.G. GERVINUS, einer der ersten Forscher, der die Sprachgesellschaften nicht blo? bel?chelte, bemerkte dazu in seiner Geschichte der deutschen Dichtung(1853⁴): "Der drei?igj?hrige Krieg h?tte nothwendig alles Vaterlandsgef?hl zerst?rt, h?tte nicht dieser Orden ein patriotisches Gemeingef?hl unter seinen vielen und einflu?reichen Gliedern geweckt".
Dies gilt auch f?r die anderen Gesellschaften, vor allem f?r die Zesenschen Genossenschaft. Da? solche Vereine w?hrend des Drei?igj?hrigen Krieges weiterbestanden, ist an sich schon bemerkenswert. Da? sie w?hrend dieser Zeit noch weiterhin ?bersetzungen herausgaben und sich um die F?rderung der deutschen Sprache und Literatur k?mmerten, ist dar?ber hinaus eine wirklich erstaunliche Leistung.