Der Gedichtzyklus ist das Zeugnis einer tiefen, undogmatischen, uberkonfessionell christlichen Religiositat dieser Dichterin. Die Ursache fur seine kunstlerischen Schwachen laBt jedoch zugleich diese Charakterisierung erkennen. Das Unvermogen zu kunst...
Der Gedichtzyklus ist das Zeugnis einer tiefen, undogmatischen, uberkonfessionell christlichen Religiositat dieser Dichterin. Die Ursache fur seine kunstlerischen Schwachen laBt jedoch zugleich diese Charakterisierung erkennen. Das Unvermogen zu kunstlerischer Gestaltung des Gedankens stellt sich in manchen Gedichten merkbar entgegen, dem Bedurfnis, sich zu bekennen und im Bekenntnis Erlosung zu suchen.
Statt, wie ursprunglich beabsichtigt, zu einem Erbauungsbuch fur die fromme Seele, war schon der erste Teil zu einer Beichte der um religiose Wahrheit ringenden Dichterin, zum Gestandnis der Glaubensschwache eines modernen Menschen geworden.
Auch wenn die Gefuhle der Angst und Schuld aus Glaubensnot durch ein starres Festhalten an den gewohnten Formen der Frommigkeit am Ende gewaltsam zuruckgedrangt oder in der Hoffnung auf die verzeichende Liebe und Gnade Gottes fur Augenblicke uberwunden werden, religioser Ungeborgenheit personliche Erfahrung ist immer gegenwartigt. Hohepunkte der religiose Bekenntnisdichtung des geistlichen Jahres sind das SchluBgedicht. Das ganze "geistliche" Jahr ist aus einem Auftrag entstanden, den die Dichterin "wie ein Prophet der alten Zeit" vernommen hatte. Die religiose Existenz ist darin als Beispiel, als Argnis und als Hoffnung dargelegt. Es wird also zu einer religiosen Selbstdarstellung.