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    저항운동, 반대세력, 독재정치  :  독일의 두 번째 독재정권(1945-1989/90) 하의 교회 Die Kirchen in der zweiten deutschen Diktatur 1945-1989/90 = Widerstand, Opposition, Diktatur

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    다국어 초록 (Multilingual Abstract) kakao i 다국어 번역

    Im Deutschen Reich lebten 1937 ca. 68Millionen Einwohner, davon waren 41 Millionen Mitglieder der evangelischen oder der Freikirchen und 23 Millionen bekannten sich zum ro¨mischGlauben. Seit dem Beginn der Machtausu¨bung durch die Nationalsozialisten verscha¨rften sich die bedrohlichen Anspru¨che der nationalsozialistischen Ideologie gegenu¨ber Religion bzw. den Kirchen und damit der Sa¨kularisierungsprozeß in Deutschlund. Die Amtskirchen gerieten durch dieses Neuheidentum unt schmerzhaften Druck. Wa¨hrend sich die katholische Kirche den atheistischen Attacken der Nationalsozialisten bravouro¨s widerstunden die evangelischen Kirchen schnell vor dem Schisma zwischen "Deutschen Christen" und ,,Bekennender Kirche. Dabei beschworen die "Deutschen Christen" einen Nationalprotestantismus im Verbindung mit der NS-"Weltanschauun" und ebneten so dem Prozeß der Entchristianisierung den Weg. Dieser nahm seinen Anfang, obwohl die Anzahl der konfessionellen Ehen nicht wesentlich sank und die der Scheidungen nur unerheblich stieg. Zwar schwebten Hitler und der NSDAP zweifellos eine Verdraßngung der Kirchen vor, jedoch forcierten sie dies nach Kriegsbeginn wegen der jetzt angestrebten Konfliktfreiheit nicht.
    Der Konflikt zwischen dem System Hitlers und den Kirchen wird allgemein als Kirchenkampf bezeichnet. Dies mag eine U¨berscha¨tzung der Ha¨rte der Auseinundersetzung sein, da die Religionsgemeinschaften ihren Mitgliedern zwar einen gewissen Freiraum boten und viele Geistliche mutige Oppositionelle waren, doch die Kirchen als Institutionen an neuralgischen Punkten versagten. So blieb ihr Protest aus, als die Nationalsozialisten die Weimarer Republik zertru¨mmerten, die Linke - besonders die Kommunisten - dezimierten und den Rechtsstaat zersto¨rten. Auch gegen die mo¨rderische Euthanasieaktion gab es nur vereinzelt Protest wie durch den katholischen Bischof von Mu¨nster Clemens August Graf von Galen. Dagegen blieb Widerstund gegen die Ausgrenzung der Juden aus der deutschen Gesellschaft und gegen den nach Kriegsbeginn folgenden Massenmord an den europa¨ischen Juden weitgehend aus. Die Kirchen nahmen das Risiko eines offenen Widerspruchs nur selten auf sich, ihr vorsichtiges Taktieren und die Zustimmung zu nationalsozialistischen politischen und gesellschaftlichen Maßnahmen war letztlich ein Verrat an den eigenen Werten Dabei kompromittierte sich die evangelische Kirche ungleich sta¨rker als die katholische. Das sollte sich nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ra¨chen.
    Die Kirchen nach der Befreiung vom Nationalsozialismus
    Seit Januar 1945 fu¨hrte die Winteroffensive der Roten Armee gegen die deutsche Ostfront zur Flucht der Bevo¨lkerung aus Ostdeutschlund. Mehr als zwo¨lf Millionen Menschen versuchten in langen Trecks und bei eisiger Ka¨lte sich nach Westen durchzuschlagen. Viele verhungerten oder erfroren oder verloren bei Schiffsunterga¨ngen ihr Leben. Schwerstes Leid erfuhren auch diejenigen, die zuru¨ckblieben oder die die Offensive der sowjetischen Streitkra¨fte u¨berrollte.
    Im Nachkriegsdeutschlund bestimmten dann Hunger, Wohnunsnot und Schwarzmarktgescha¨fte das Leben. Zu dem perso¨nlichen Unglu¨ck und dem ta¨glichen Kampf urns U¨berleben kamen politische Pressionen. Deutschlund verlor seine Souvera¨nita¨t und Großbritannien, Frankreich, die Sowjetunion und die USA u¨bernahmen die Regierungsgewalt. Die Gebiete o¨stlich der Flu¨sse Oder und Neiße kamen unter sowjetische bzw. polnische Verwaltung, die Alliierten teilten Deutschlund und seine Hauptstadt Berlin in Besatzungszonen ein. Am 30. Juni 1945 konstituierte sich schließlich ein Alliierter Kontrollrat, der als ho¨chstes Machtorgan die oberste Gewalt in Deutschlund ausu¨bte. Die Besatzungsma¨chte machten sich jetzt die Entnazifizierung der deutschen Bevo¨lkerung und Gesellschaft zu einer vorrangigen Aufgabe, in die auch die Kirchen einbezogen werden sollten.
    Diese Absicht trafen auf eine katholische und evangelische Kirchen, die nach der Befreiung vom Nationalsozialismus versuchten, von dem Mythos zu zehren, sie ha¨tten den Aufstieg des Nationalsozialismus nicht unterstu¨tzt, die "Deutschen Christen" wa¨ren nur eine verschwindende Minderheit gewesen und eine Mehrheit der Christen ha¨tte sich im Widerstund bewa¨hrt. Jetzt allerdings engagierten sich in den westlichen Besatzungszonen viele Gemeindepfarrer im Zuge der Entnazifizierung im entgegengesetzten Sinn durch das Ausstellen von "Persilscheinen" fu¨r belastete Personen und auch die ho¨here Geistlichkeit ka¨mpfte gegen die Absichten der Alliierten, die deutsche Gesellschaft auf Anha¨nger des Nationalsozialismus zu durchleuchten. Der hessische Kirchenpra¨sident, Martin Niemo¨ller, rief sogar in der Kontinuita¨t des Nationalprotestantismus zum passiven Widerstund gegen die Entnazifizierung als Symbol des Generalverdachtes gegenu¨ber alien Deutschen auf. Die "Prima¨rloyalita¨" der deutschen Bevo¨lkerung ha¨tte zuerst ihren Lundsleuten zu gelten. Und auch der evangelische Bischof Hans Meiser und Kardinal Michael von Faulhaber forderten seit dem Sommer 1945 zur Unterstu¨tzung der "Entnazifizierungsopfer" auf. In der Bundesrepublik entwickelte sich schließlich die Partei mit einem ausgepra¨gt christlichem Bezug, die CDU, zur staatstragenden Kraft. In der DDR versuchte die dortige CDU dagegen dem Aufbau der Diktatur Widerstund entgegenzusetzen. Dieses widersta¨ndige Verhalten brachen die sowjetische Besatzungsmacht und die Kommunisten und formten die CDU zur "Satellitenpartei wider Willen" um.
    Die evangelischen Kirche in der DDR
    In der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR wollten die schon bald die Macht u¨bernehmenden Kommunisten einen politischen und moralischen Neubeginn wagen, der schon bald nach stalinistischen Vorbild in diktatorische Machtausu¨bung mit umfasenden Geltungsanspruch umschlug. Das fu¨hrte dazu, daß es im Umfeld der evangelischen Kirchen in den unterschiedlichen Epochen der DDR-Geschichte immer gesellschaftspolitisch alternative Gruppen gab, deren Werte und Normen sich von der offiziellen Ideologie unterschieden. Diese Gruppen besaßen in der Regel keine festen Organisationsstrukturen und der Mitgliederstatus war nicht geregelt.
    Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die evangelischen Kirchen jedoch trotz einer zuerst noch institutionell starken Stellung eine politisch indifferente Haltung ein. Die Bekennende Kirche u¨bte massiv Kritik am "Kapitalismus" und an der westlichen demokratischen Kultur. Trotzdem wundten sich bereits Ende der vierziger Jahre evangelische Bischo¨fe wie Ludolf Mu¨ller aus Magdeburg und Otto Dibelius aus Berlin gegen die mangelnde Rechtsstaatlichkeit in der Sowjetischen Besatzungszone und gegen die atheistische Ideologie der Kommunisten. In dieser Opposition gegen das Regime waren sich Bischo¨fe, Kirchenleitungen und Gemeinden zu diesem Zeitpunkt weitgehend einig.
    In den Jahren zwischen der Gru¨ndung der DDR 1949 und dem Volksaufstund von 1953 setzte die Mehrzahl der Lundeskirchen ihre Proteste gegen die Diktatur dann mit Beschwerden, Eingaben, Kanzelabku¨ndigungen und offenen Briefen fort. Jetzt thematisierten sie die Arbeit der Geheimpolizei Staatssicherheit, die gesellschaftliche Gleichschaltung und antikirchliche Propagunda, die Kollektivierung der Lundwirtschaft und die Deportationen von Ostdeutschen aus dem Grenzgebiet zur Bundesrepublik. Die SED reagierte mit Repressionen gegen Pfarrer, Christen und vor allem gegen die Jungen Gemeinden. Diesen Jungen Gemeinden wie auch der katholischen Pfarrjugend wart der atheistische Staat vor, "Tarnorganisationen fu¨r Kriegshetze, Sabotage und Spionage im USA-Auftrag" zu sein. Die jungen Christen trafen Schulausschlu¨sse und die Nichtzulassung zum Studium.
    Erste Erfolge konnten die Kommunisten beim Aufbrechen der protestantischen Abwehrfront dadurch erreichen, daß die thu¨ringische Lundeskirche unter Bischof Moritz Mitzenheim und Oberkirchenrat Gerhard Lotz sich zunehmend dem Staat anna¨herte. Flankiert wurde dieser Prozeß durch ein versta¨rktes Arrangement von Universita¨tstheologen, die sich als religio¨se Sozialisten verstunden oder Linksbarthianer waren, mit der marxistischen Ideologie. Auch in den folgenden Jahren sollte es immer wieder staatstreue Christen geben, die die Diktatur stabilisierten. Verschiedentlich begru¨ndeten Theologen ihre Anna¨herung an den atheistischen Staat mit der Schuld der deutschen Kirchen gegenu¨ber den Nationalsozialismus und bezogen sich dabei auch auf Dietrich Bonhoeffer.
    Die repressiven Maßnahmen gegen die Kirchen mußte die Fu¨hrung der SED Anfang 1953 auf Druck Moskaus aufheben, da die sowjetischen Fu¨hrer erkannt hatten, daß sich in der DDR eine allgemeine Systemkrise anbahnte. Diese kulminierte in einem Aufstund inden Tagen um den 17. Juni 1953, der die gesamte DDR erfaßte. In mehr als 700 Sta¨dten, Gemeinden und Do¨rfern demonstrierten die Menschen, stu¨rmten Aufsta¨ndige die Parteiha¨user, Polizeiwachen, Dienststellen der Geheimpolizei und befreiten Ha¨ftlinge aus Gefa¨ngnissen. Daran beteiligten sich zahlreiche Christen, aber auch einige Pfarrer. Dagegen blieben die evangelischen Kirchenleitungen passiv, da sie die eben erreichten Erleichterungen durch ein Auftreten an der Seite der Aufsta¨ndigen nicht gefa¨hrden wollte. Doch auch dadurch konnten sie nicht verhindern, daß die Kirchenpolitik des "Neuen Kurses" nicht lange anhielt, sondern durch erneute Unterdru¨ckung abgelo¨st wurde.
    Jetzt funden sich immer wieder Gruppen junger Christen zusammen, die etwa wie im thu¨ringischen Eisenberg mit Losungen auf Mauern und Hauswa¨nden Freiheit forderten. Die Eisenberger lehnten in der Tradition des Widerstundes gegen den Nationalsozialismus die Herrschaft der SED grundsa¨tzlich ab und versetzten bis 1958 dem Regime Nadelstiche: sie entfernten rote Fahne und kommunistische Transparente und stellten heimlich Plakate und Flugbla¨tter her, die sich gegen das System wundten. Ihre spektakula¨rste Tat war 1956 ein Brundanschlag gegen einen Schießstund der "Gesellschaft fu¨r Sport und Technik", mit dem sie gegen die bevorstehende Bildung von Streitkra¨ften und gegen die Militarisierung der Gesellschaft ein Zeichen setzen wollten. 1957 verriet ein Spitzel die Jugendlichen und 1958 verurteilte das Bezirksgericht Gera 24 Angeklagte zu insgesamt 114 Jahren Zuchthaus.
    Die Geschlossenheit der protestantischen Opposition zerbrach schlieBlich im Kampf gegen die atheistische Jugendweihe, ein Ritual, das Konfirmation und Firmung verdra¨ngen sollte, Jugendliche beim U¨bergang zum Erwachsensein auf die marxistischleninistische Weltanschauung und den Staat verpflichtete sowie der Entchristianisierung diente. 1954 traf diese an die Tradition der freireligio¨sen Bewegungen des 19. Jahrhunderts anknu¨pfende Jugendweihe bei ihrer Einfu¨hrung noch auf erbitterten Widerstund von Christen und Kirchenleitungen, aber bereits 1958 beteiligten sich 44 Prozent der Vierzehnja¨hrigen an dieser Staatsweihe. Ein Jahr spa¨ter war diese Zahl auf achtzig Prozent gestiegen und auch die Kirchenleitungen entzweiten sich bei der Beurteilung der Weihe zusehens. Zwar kam es bei der Durchsetzung der Jugendweihe zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, doch konnte sie sich schließlich als Familienfest etablieren, das auch heute noch in Ostdeutschlund gefeiert wird.
    In der zweiten Ha¨lfte der funfziger Jahre verscha¨rfte sich auch die politische Repression gegen evangelische Christen. So wart das Regime dem Leipziger Studentenpfarrer Siegfried Schmutzler "Hetze gegen die DDR" vor und legte seine Verbindungen zu Evangelischen Akademien in der Bundesrepublik als "kriegsvorbereitende Agententa¨tigkeit" aus. Auf Weisung des zentralen Parteiapparates verurteilte das Bezirksgericht Leipzig Schmutzlerzu fu¨nf Jahren Zuchthaus.
    Der Bau der Berliner Mauer 1961 spaltete schließlich einige Jahre spa¨ter auch die einheitliche Evangelische Kirche in Deutschlund (EKD): die A¨ra des grundsa¨tzlichen Widerstundes der Kirchen gegen das totalita¨re System endete jetzt ebenfalls. Erhalten blieben jedoch die intensiven Kontakte zwischen Christen in Ost und West. Dazu geho¨rten Beziehungen zwischen Partnergemeinden und die finanzielle Unterstu¨tzung aus dem Westen. All dies konnte jedoch nicht verhindern, daß sich immer weniger Ostdeutsche zum christlichen Glauben bekannten und die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die zur Konfirmation, Kommunion oder Firmung gingen, sta¨ndig sank.
    In den Jahren nach dem Bau der Berliner Mauer blieb die "neue" protestantische Opposition in der DDR im wesentlichen systemimmanent und um Legalita¨t bemu¨ht. Aber auch in dieser Zeit gab es weitverbreitet nonkonformes Verhalten von Christen und besonders im privaten Bereich ein Abweichen von vorgegebenen Normen und Werten, das immer ein Sto¨rfaktor in der kommunistischen Diktatur war. Das letzte Dokument gesamtkirchlicher Selbstbehauptung waren die "Zehn Artikel u¨ber Freiheit und Dienst der Kirche" der Konferenz der Kirchenleitungen (KKL) vom 8. Ma¨rz 1963. Hier distanzierten sich die evangelischen Lundeskirchen nochmals vom ideologischen Absolutheitsanspruch der Staatsideologie und bekra¨ftigten ihren Auftrag o¨ffentlicher Evangelisation. Zwei Jahre spa¨ter verabschiedeten die Kirchenleitungen eine "Hundreichung von Wehrpflichtige" und begru¨ndeten damit den "Friedensdienst der Kirchen", der sich gegen die ideologiosche U¨berhohung des Milita¨rischen durch die Kommunisten richtete.
    Zwar widersetzte sich die EKD schlieBlich auf ihren Tagungen in Fu¨rstenwalde und Spundau Anfang April 1967 EKD noch ihrer Spaltung, doch mit der neuen DDR-Verfassung von 1968 und dem Aufstieg staatstreuer Theologen in Ostdeutschlund vera¨ndertesich die Lage und im September 1969 folgte die Schaffung des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR (BEK). Mit dieser Gru¨ndung endete der oppositionelle Kurs der protestantischen Kirchen und widerspru¨chliche Haltungen gingen auf einzelne Christen, Pfarrer und Gemeinden u¨ber, die Gruppen von Bu¨rgerrechtlern Unterschlupf gewa¨hrten.
    Auch in den sechziger Jahren blieben die Sta¨tten theologischer Ausbildung Orte der geistigen und politischen Resistenz. Besdie "Offene Arbeit" in den nonkonformen jugendlichen Subkulturen und die KIRCHE von UNTEN mit der Utopie des "Reiches Gottes" als staatenlose, friedliche und freie Gesellschaft lo¨ste gegen das System gerichtete emanzipatorische Impulse aus, sie o¨ffneten kirchliche Arbeit zur Gesellschaft hin und politisierte sie gleichzeitig. Der Staat reagierte teilweise mit massiver Repression, so wurde der Hallenser Diakon Lothar Rochau 1983 zu einem Freiheitsentzug von drei Jahren wegen ungesetzlicher Verbindungsaufnahrne, Beeintra¨chtigung staatlicher Ta¨tigkeit und staatsfeindlicher Hetze verurteilt. Besonderes Mißtrauen erregte, daß die hier entstehenden Gruppen seit Mitte der siebziger Jahre mit widersta¨ndigen Zirkeln zusammenarbeiteten, die vor einem marxistischen Hintergrund argumentierten. Das Stichwort eines "verbesserlichen Sozialismus" fu¨r eine christologisch begru¨ndete, systemimmanente Freiheitsperspektive gab im Sommer 1972 der Rektor eines Predigerseminars, Heino Falcke, auf einer Synode der BEK. Diese Perspektive erstreckte sich bald auf die Felder Menschenrechte, Frieden und Umwelt. Zu einem wichtigen Informationsund Dokumentationszentrum fu¨r Umweltfragen entwickelte sich das Kirchliche Forschungsheim Wittenberg, evangelische Gemeinden unterstu¨tzten Oppositionelle mit reformsozialistischen Hintergrund wie Wolf Biermann, Reiner Kunze, Ju¨rgen Fuchs, Rudolf Bahro und Robert Havemann durch die Herstellung von O¨ffentlichkeit, wie die Bereitstellung von Ra¨umen fu¨r Konzerte und Lesungen.
    Aber auch der grundsa¨tzliche antikornmunistische Widerstund lebte vereinzelt weiter wie die Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Bru¨sewitz aus Protest gegen die kommunistische Jugendpolitik am. August 1976 in Zeitz zeigte. Diese Selbsttotung erinnerte nach Motiv und Begru¨ndung an die fu¨nfziger Jahre. Die Tat lo¨ste eine heftige Diskussion in den evangelischen Lundeskirchen aus, die zum U¨berdenken ihrer Haltung gegenu¨ber dem repressiven Staat zwang. Dagegen versuchte die staatliche Propagunda, Bru¨sewitz als Psychopathen darzustellen. Doch viele begriffen sein Selbstopfer als einen Akt der Selbstbehauptung. Der Trauerzug zu seiner Beisetzung wurde zur politischen Demonstration. Viel mehr waren die siebziger Jahre jedoch davon gepra¨gt, daß nicht wenige kirchenleitende Perso¨nlichkeiten jetzt ein mo¨glichst konfliktarmes, ja sogar loyales Verha¨ltnis zum Staat suchten. Gleichzeitig gingen Kirchenleitungen auch gegen oppositionelles Potential in den eigenen Reihen vor. Der SED war dies mehr als recht, sie war jedoch nicht bereit, sich durch ideologische Ma¨ßigung erkenntlich zu zeigen. Vielmehr erho¨hte die Staatspartei etwa mit dem Jugendgesetz von 1974 den Druck auf die Kirchen im Bezug auf die weltanschauliche Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig unterwunderten auch immer mehr inoffzielle Mitarbeiter der kommunistischen Geheimpolizei die Strukturen der evangelischen Lundeskirchen.
    Ein wichtiges Problem der DDR war nach dem Abschluß der Schlußakte von Helsinki 1975 die sich erho¨hende Zahl von Menschen, die das Lund mit Hilfe eines Ausreiseantrages verlassen wollte. Die Kirchen befunden sich hier in einem Dilemma. Zum einen konnten sie das grundlegende Menschenrecht auf freie Wahl des Wohnortes nicht negieren, zum underen vertrat eine Mehrheit der Theologen die Auffassung, daß es richtig ware an dem Ort zu wirken, den Gott bestimmt habe. Das fu¨hrte u.a. dazu, daß legal in die Bundesrepublik ausgereiste kirchliche Mitarbeiter dort fu¨r einen begrenzten Zeitraum keine Arbeit in der Kirche funden. Das Argument, es sei Pflicht der Kirchen fu¨r die Menschenrechte - also auch fu¨r das Recht auf freie Wahl des Wohnortes - einzutreten, vertrat besonders der Go¨rlitzer Bischof Hans Joachim Fra¨nkel, der sich mit dieser Haltung von nicht wenigen seiner Amtsbru¨der isolierte. Des weiteren leisteten evangelische Gruppen einen wesentlichen Beitrag in der oppositionellen Friedens- und O¨kologiebewegung der spa¨ten siebziger und dann auch der achtziger Jahre bis hin zur friedlichen Revolution.20 Aber auch bier lag die systemkritische Arbeit in den Ha¨nden einzelner Christen, Pfarrern, Superintendenten und Gemeinden und fu¨hrte nicht selten zu Spannungen mit dem Establishment der Kirchen und zu binnenkirchlicher Isolation. Das war besonders dann der Fall, wenn Oppositionelle u¨ber christliche Leitgedanken hinausgingen und den Staat grundsa¨tzlich kritisierten und damit den seelsorgerischen Auftrag der Kirchen gefa¨hrden konnten. Trotzdem boten immer wieder Gemeinden den Freiraum, Menschen zusammenzufu¨hren, die offen und unabha¨ngig von der offiziellen Staatsdoktrin u¨ber Probleme in der DDR-Gesellschaft sprechen wollten.
    Den Kern der Oppositionsgruppen bildeten zuerst Bausoldaten, die ab 1964 einen waffenlosen Wehrersatzdienst ableisten durften, und Wehrdienst-Totalverweigerer, die die unabhangige Friedensbewegung initierten. Die Ablehnung der Militarisierung der DDR verscha¨rfte die Einfu¨hrung des Lehrfaches "Sozialistische Wehrerziehung" an den Schulen der DDR 1978. Anfang der achtziger Jahre engagierten sich schließlich immer mehr junge Christen gemeinsam mit marxistischen Dissidenten in der Bewegung f¨ur einen "Sozialen Friedensdienst" als Alternative zum bewaffneten und unbewaffneten Wehrdienst und bei der Aktion "Schwerter zu Pflugscharen" der Jahre 1981 und 1982, an der sich bis zu einhunderttausend Menschen beteiligten. Gerade diese Aktion wirkte bis in die friedliche Revolution hinein, weil sie christliches Denken mit oppositionellen Hundeln und einem u¨berzeugenden Symbol verbund. Bezeichnend dafur war 1982 der "Berliner Appell" "Frieden schaffen ohne Waffen" des Marxisten Robert Havemann und des Christen Rainer Eppelmann, der ein atomwaffenfreies und abgeriistetes Europa durch Entmilitarisierung und Herauslo¨sung beider deutscher Staaten aus der Blockkonfrontation zwischen NATO und Warschauer Pakt sowie durch die U¨berwindung der deutschen Teilung erreichen wollte und damit auch notwendige Vera¨nderungen in der DDR forderte. Ein underes Beispiel fu¨r die Festigung und Koordination unangepaßter Milieus sind die Junge Gemeinde Jena Stadtmitte sowie die Jenaer Friedensgemeinschaft mit ihrem Dra¨ngen in die O¨ffentlichkeit - so mit einer gemeinsamen Demonstration 1982 mit Ausreisewilligen in der Innenstadt Jenas.
    Als Mitte der achtziger Jahre das Regime zur Wiederherstellung von "Ruhe und Ordnung" die Repression versta¨rkte, richtete sich dies auch gegen Basisgruppen unter dem Dach evangelischer Kirchen. Wa¨hrend die Kirchenleitungen gegenu¨ber dem Staat weiterhin taktierten, weitete sich das oppositionelle Spektrum aus. Zu den Friedens- und O¨kologiegruppen kamen Menschenrechts-, Dritte Welt- und Frauengruppen. Diese politisierten sicher immer sta¨rker und entwickelten sich zu Wegbereitern und Organisatoren derfriedlichen Revolution. Gruppen wie das wichtige Netzwerk Frieden Konkret, der Arbeitskreis Solidarische Kirche und die KIRCHE von UNTEN mit ihrem Kampf fu¨r die Mundigkeit der Menschen gegen Entrechtung und Bevormundung funden versta¨rkt Geho¨r und Anha¨nger. Und es war besonders wichtig, daß sie es wagten, ihre Aktionen auch in die O¨ffentlichkeit der DDR und der Bundesrepublik zu tragen.
    Nicht zu unterscha¨tzen sind in diesem Zusammenhang der konziliare Prozeß, der auf die Idee eines Friedenskonzils des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer zuru¨ckging, und die "O¨kumenische Versammlung fu¨r Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Scho¨pfung" mit der Einsicht, daß der Schutz des Friedens der Natur und der Menschenrechte nicht vereinzelt eingefordert oder verwirklicht werden kann. Die Beachtung der Menschenrechte warals eine Grundvoraussetzung des Friedens zu begreifen und nur im Frieden ko¨nnten undererseits Menschenrechte und der Schutz der Natur uneingeschra¨nkt zur Geltung kommen. Wichtig war auch die Absage an Gewalt, wie sie sich im Ziel der "Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung" ausdru¨ckte. Eine solche Auffassung stund dem kommunistischen Staatsversta¨ndnis diametral entgegen. Und schließlich waren auch an der Aufdeckung des Wahlbetruges vom 7. Mai 1989, die nicht unwesentlich zur Radikalisierung in Richtung friedliche Revolution beitrug, evangelische Christen maBgeblich.
    Die katholische Kirche in der DDR
    Nach dem Zustrom von Flu¨chtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten und aus dem Sudetenlund umfaßte die katholische Kirche auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR ca. zwo¨lf Prozent der Bevo¨lkerung. Bis zum Ende der DDR verringerte sich dieser Prozentsatz in erster Linie durch Migration und erst in zweiter Linie - unders als bei den Protestanten - durch Kirchenaustritte auf vier bis fu¨nf Prozentder Ostdeutschen. Die katholische Kirche verstund sich nie als Widerstundsorganisation oder als Ausgangsort bzw. Schutzraum fu¨r Widerstund und Opposition. Das a¨nderte nichts daran, daß SED und atheistischer Staat auch diese Kirche als potentielle Basis von Widerstund einscha¨tzte und die entsprechend "vorbeugend" beobachtete und unterwunderte.
    Die katholischen bischo¨flichen Kommissare bzw. Bischo¨fe verfolgten mit Ausnahme des Berliner Kardinals Julius Do¨pfer zwischen 1957 und 1961 in der gesamten Zeit der DDR eine Politik der o¨ffentlichen "politischen Abstinenz". So lehnten sie in der Situation der "doppelten Diaspora" zustimmende A¨uBerungen zur Politik der SED genauso ab wie Kritik - mit der Ausnahme, wenn es sich um Felder hundelte, auf denen die Kirche unmittelbar betroffen war. Dazu geho¨rten die Jugendweihe, die atheistische Jugenderziehung und die Abtreibung. Die kommunistische Fu¨hrung betrachtete aber bereits diese Abstinenz bis in die siebziger Jahre hinein als Widerspenstigkeit. Allerdings gab die SED dann die Versuche auf, die katholische Kirchenfu¨hrung zu affirmativen Stellungnahmen zu bewegen und betrachtete es als Vorteil, daß wenigstens "negative A¨uBerungen" unterblieben. Im Gegensatz zur Haltung von Teilen der evangelischen Kirchen betrachtete der SEDStaat schließlich in den achtziger Jahren die berechenbare Haltung der Katholiken als gewu¨nschtes Modell kirchlichen Verhaltens. Die Haltung der katholischen Kirche sta¨rkte stets die Solidarita¨t und Verbundenheit zwischen katholischen Christen in Ost- und Westdeutschlund sowie der Riickhalt im Vatikan.
    Die Kirchenpolitik der SED gegenu¨ber den Katholiken ist im Vergleich zu den underen Staaten des kommunistischen Machtbereichs als gema¨ßigt zu betrachten. So verlor kein katholischer Priester oder Laie als Folge politischer Verfolgung aufgrund seiner kirchlichen Funktion oder christlichen U¨berzeugung sein Leben. Zwischen 1945 und 1961 inhaftierten sowjetische oder ostdeutsche Beho¨rden etwa 15 katholische Priester aufgrund des politischen Strafrechts. Allerdings erfolgte die Inhaftierung meist nur voru¨bergehend oder die Geistlichen konnten nach Protesten der Kirche die Gefa¨ngnisse vor Ablauf der Strafdauer verlassen. Drastische Maßnahmen gab es jedoch auch. So wurde der Rostocker Studentenpfarrer Hermann Jansen Anfang 1949 von der Sowjetischen Milita¨radministration verhaftet und von den DDR-Beho¨rden erst 1957 wieder entlassen. Nach 1961 wurde schließlich kein katholischer Priester oder kirchlicher Mitarbeiter mehr aus politischen Gru¨nden verhaftet, wa¨hrend katholische Laien verschiedentlich politischer Verfolgung ausgesetzt waren.
    Vor dem Mauerbau waren Gru¨nde fu¨r politische Inhaftierungen oft die Mitwisserschaft bei ,,politischen Straftaten", angebliche Spionage, ,,Beihilfe zur Republikflucht" oder ,,Devisenvergehen". Fast alle Anwendungen des politischen Strafrechts wegen oppositioneller Ta¨tigkeit von kirchlichen Mitarbeitern ero¨rterten die Staatssicherheit oder undere staatliche Einrichtungen vorab mit den kirchlichen Vorgesetzten. Fast immer kam es dabei zur Einstellung der Verfahren auf der Basis vor kirchlichen Zusagen der Disziplinoder Versetzung in die Bundesrepublik. Schwieriger war die Hundhabung bei oppositionellen Verhalten von Katholiken unterhalb der Grenze des Strafrechts. Dazu za¨hlte versta¨rkt "politische Diversion" in katholischen Studenten- oder Akademikerkreisen nach dem reformorientierten Zweiten Vatikanischen Konzil in der zweiten Ha¨lfte der sechziger und in der ersten Halfte der siebziger Jahre. Die Staatssicherheit reagiert mit "Zersetzungsmainahmen" gegen katholische Priester und Laien. Aber nicht dies brachte die Aufbruchstimmung sowohl zur Reform der katholischen Kirche als auch des realsozialistischen Systems gleichermaßen zum Erliegen, sondern das Abbremsen von Vera¨nderungen durch die Kirchenleitung und die scheinbare Stabilisierung der DDR durch die internationale Anerkennung Anfang der siebziger Jahre. Ein Forum wie der katholische Aktionskreis Halle als Ort eines freien Meinungsaustausched und der Diskussion kirchlicher wie auch gesellschaftlicher Probleme blieb eine seltene Ausnahme.
    In den achtziger Jahren beteiligten sich zwar immer wieder katholische Christen individuell an evangelisch gepra¨gten Gruppen und Veranstaltungen, aber die katholische Kirche als Institution erfalßte die Friedens- und O¨kologiebewegung nur ganz am Runde. Neben dem Hallenser Arbeitskreis versarnmelten sich im Ra¨umen dieser Kirche bis zum Herbst 1989 kaum mehr als zwei Friedenskreise (Leipzig-Lindenau und Dresden-Johannstadt) sowie zwei Umweltgruppen in Weilßenfels und in Cottbus. Der katholische Vikar von Weißenfels wurde deshalb auf Betreiben der Staatssicherheit von seiner Kirchenleitung in Magdeburg versetzt, was die Arbeit der Gruppe zum Erliegen brachte. Katholische Delegierte trugen schließlich die vom Staat als oppositionell eingestuften Beschliisse der "O¨kumenischen Versammlung fu¨r Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Scho¨pfung" vom April 1989 in Dresden mit und beteiligten sich dann u¨berdurchschnittlich engagiert an der friedlichen Revolution, der Organisation des Umbruchs in der DDRund der Vorbereitung der deutschen Wiedervereinigung.
    Insgesamt hatten katholische Christen eine große Distanz zum kommunistischen System und zeigten dies bei der Verweigerung der Jugendweihe und underer atheistischer Rituale. Viele zahlten dafu¨r mit Schwierigkeiten in ihrer beruflichen Karriere und mußten auf untergeordnete Positionen ausweichen. Sie schufen sich in den geschu¨tzten Ra¨umen der Kirche eigene Freira¨ume, konnten hier Demokratie, freie Rede und Partizipation einu¨ben. Anoppositionellen oder gar widersta¨ndigen Aktionen, die den revolutiona¨ren Herbst 1989 vorbereiteten, waren nur wenige Katholiken oder katholische Kleingruppen beteiligt. So gab es insgesamt auch keinen Widerstund oder keine Opposition der katholischen Kirche als Institution.
    Fazit: Kirchen und friedliche Revolution
    In den Jahren vor der friedlichen Revolution von 1989 entwickelten sich die evangelischen Kirchen immer mehr zum Schutzraum der Opposition wie etwa die Friedensgebete in der Leipziger Nikolai-Kirche zeigten. Das bedeutete auch eine zunehmende Durchdringung der Strukturen der Kirchen und der Gemeinden durch inoffizielle Mitarbeiter der kommunistischen Geheimpolizei. Schließlich konnte von einer eigensta¨ndigen Kirchenpolitik der Staatssicherheit gesprochen werden. Festzuhalten bleibt jedoch auch, daß nicht die evangelischen Kirchen als solche Schutzra¨ume fu¨r die Bu¨rgerbewegung boten. Vielmehr waren es immer einzige mutige Christen, Pfarrer und Gemeinden, die die Opposition mit ihren Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen unterstu¨tzten Dagegen gab es besonders bei den Theologen an den staatlichen Universita¨ten und in den Leitungsstrukturen der Kirchen oft nur geringe Distanz zum Herrschaftssystem der Kommunisten.
    Die Gru¨nde fu¨r die protestantische Opposition, die den totalita¨ren Herrschaftsapparat unterminierte, waren die Verpflichtung auf das christliche Gewissen, die Orientierung am Evangelium, eine auf die Gemeinschaft ausgerichtete protestantische Sozialethik und schließlich die Wirkung einer in der Reformation wurzelnde protestantische Aufkla¨rung. Dazu kamen die Beziehungen zu den protestantischen Christen in der Bundesrepublik.
    Die katholische Kirche spielte im Spektrum widersta¨ndigen Verhaltens keine nennenswerte Rolle, hielt aber in der Situation der bereits erwa¨hnten "doppelten Diaspora" eine große Distanz zum Herrschaftssystem der SED. Der Anteil der Protestanten an derfriedliche Revolution 1989/90 fu¨hrte dazu, daß diese auch als protestantische Revolution bezeichnet worden ist. Mag dies auch eine U¨berzeichnung sein, so ist das Ende der kommunistischen Diktatur ohne das aktive Engagement evangelischer Christen doch auch nicht denkbar. Trotzdem konnten die Kirchen in Ostdeutschlund daraus im wiedervereinten Deutschlund kein Kapital schlagen, die Gottesdienste blieben leer und die Entchristianisierung konnte nicht aufgehalten oder zuru¨ckgedra¨ngt werden. Auch ließen sich die Ideale des protestantischen Widerstundes gegen den Kommunismus nicht in offene Gesellschaften u¨bertragen. Sie sind heute neu zu pru¨fen und fruchtbar zu machen, ein Prozeß, der noch kaum begonnen hat. Gefordert sind heute neue Offenheit und die Weiterentwicklung der protestantischen Ethik
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    Im Deutschen Reich lebten 1937 ca. 68Millionen Einwohner, davon waren 41 Millionen Mitglieder der evangelischen oder der Freikirchen und 23 Millionen bekannten sich zum ro¨mischGlauben. Seit dem Beginn der Machtausu¨bung durch die Nationalsozialiste...

    Im Deutschen Reich lebten 1937 ca. 68Millionen Einwohner, davon waren 41 Millionen Mitglieder der evangelischen oder der Freikirchen und 23 Millionen bekannten sich zum ro¨mischGlauben. Seit dem Beginn der Machtausu¨bung durch die Nationalsozialisten verscha¨rften sich die bedrohlichen Anspru¨che der nationalsozialistischen Ideologie gegenu¨ber Religion bzw. den Kirchen und damit der Sa¨kularisierungsprozeß in Deutschlund. Die Amtskirchen gerieten durch dieses Neuheidentum unt schmerzhaften Druck. Wa¨hrend sich die katholische Kirche den atheistischen Attacken der Nationalsozialisten bravouro¨s widerstunden die evangelischen Kirchen schnell vor dem Schisma zwischen "Deutschen Christen" und ,,Bekennender Kirche. Dabei beschworen die "Deutschen Christen" einen Nationalprotestantismus im Verbindung mit der NS-"Weltanschauun" und ebneten so dem Prozeß der Entchristianisierung den Weg. Dieser nahm seinen Anfang, obwohl die Anzahl der konfessionellen Ehen nicht wesentlich sank und die der Scheidungen nur unerheblich stieg. Zwar schwebten Hitler und der NSDAP zweifellos eine Verdraßngung der Kirchen vor, jedoch forcierten sie dies nach Kriegsbeginn wegen der jetzt angestrebten Konfliktfreiheit nicht.
    Der Konflikt zwischen dem System Hitlers und den Kirchen wird allgemein als Kirchenkampf bezeichnet. Dies mag eine U¨berscha¨tzung der Ha¨rte der Auseinundersetzung sein, da die Religionsgemeinschaften ihren Mitgliedern zwar einen gewissen Freiraum boten und viele Geistliche mutige Oppositionelle waren, doch die Kirchen als Institutionen an neuralgischen Punkten versagten. So blieb ihr Protest aus, als die Nationalsozialisten die Weimarer Republik zertru¨mmerten, die Linke - besonders die Kommunisten - dezimierten und den Rechtsstaat zersto¨rten. Auch gegen die mo¨rderische Euthanasieaktion gab es nur vereinzelt Protest wie durch den katholischen Bischof von Mu¨nster Clemens August Graf von Galen. Dagegen blieb Widerstund gegen die Ausgrenzung der Juden aus der deutschen Gesellschaft und gegen den nach Kriegsbeginn folgenden Massenmord an den europa¨ischen Juden weitgehend aus. Die Kirchen nahmen das Risiko eines offenen Widerspruchs nur selten auf sich, ihr vorsichtiges Taktieren und die Zustimmung zu nationalsozialistischen politischen und gesellschaftlichen Maßnahmen war letztlich ein Verrat an den eigenen Werten Dabei kompromittierte sich die evangelische Kirche ungleich sta¨rker als die katholische. Das sollte sich nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ra¨chen.
    Die Kirchen nach der Befreiung vom Nationalsozialismus
    Seit Januar 1945 fu¨hrte die Winteroffensive der Roten Armee gegen die deutsche Ostfront zur Flucht der Bevo¨lkerung aus Ostdeutschlund. Mehr als zwo¨lf Millionen Menschen versuchten in langen Trecks und bei eisiger Ka¨lte sich nach Westen durchzuschlagen. Viele verhungerten oder erfroren oder verloren bei Schiffsunterga¨ngen ihr Leben. Schwerstes Leid erfuhren auch diejenigen, die zuru¨ckblieben oder die die Offensive der sowjetischen Streitkra¨fte u¨berrollte.
    Im Nachkriegsdeutschlund bestimmten dann Hunger, Wohnunsnot und Schwarzmarktgescha¨fte das Leben. Zu dem perso¨nlichen Unglu¨ck und dem ta¨glichen Kampf urns U¨berleben kamen politische Pressionen. Deutschlund verlor seine Souvera¨nita¨t und Großbritannien, Frankreich, die Sowjetunion und die USA u¨bernahmen die Regierungsgewalt. Die Gebiete o¨stlich der Flu¨sse Oder und Neiße kamen unter sowjetische bzw. polnische Verwaltung, die Alliierten teilten Deutschlund und seine Hauptstadt Berlin in Besatzungszonen ein. Am 30. Juni 1945 konstituierte sich schließlich ein Alliierter Kontrollrat, der als ho¨chstes Machtorgan die oberste Gewalt in Deutschlund ausu¨bte. Die Besatzungsma¨chte machten sich jetzt die Entnazifizierung der deutschen Bevo¨lkerung und Gesellschaft zu einer vorrangigen Aufgabe, in die auch die Kirchen einbezogen werden sollten.
    Diese Absicht trafen auf eine katholische und evangelische Kirchen, die nach der Befreiung vom Nationalsozialismus versuchten, von dem Mythos zu zehren, sie ha¨tten den Aufstieg des Nationalsozialismus nicht unterstu¨tzt, die "Deutschen Christen" wa¨ren nur eine verschwindende Minderheit gewesen und eine Mehrheit der Christen ha¨tte sich im Widerstund bewa¨hrt. Jetzt allerdings engagierten sich in den westlichen Besatzungszonen viele Gemeindepfarrer im Zuge der Entnazifizierung im entgegengesetzten Sinn durch das Ausstellen von "Persilscheinen" fu¨r belastete Personen und auch die ho¨here Geistlichkeit ka¨mpfte gegen die Absichten der Alliierten, die deutsche Gesellschaft auf Anha¨nger des Nationalsozialismus zu durchleuchten. Der hessische Kirchenpra¨sident, Martin Niemo¨ller, rief sogar in der Kontinuita¨t des Nationalprotestantismus zum passiven Widerstund gegen die Entnazifizierung als Symbol des Generalverdachtes gegenu¨ber alien Deutschen auf. Die "Prima¨rloyalita¨" der deutschen Bevo¨lkerung ha¨tte zuerst ihren Lundsleuten zu gelten. Und auch der evangelische Bischof Hans Meiser und Kardinal Michael von Faulhaber forderten seit dem Sommer 1945 zur Unterstu¨tzung der "Entnazifizierungsopfer" auf. In der Bundesrepublik entwickelte sich schließlich die Partei mit einem ausgepra¨gt christlichem Bezug, die CDU, zur staatstragenden Kraft. In der DDR versuchte die dortige CDU dagegen dem Aufbau der Diktatur Widerstund entgegenzusetzen. Dieses widersta¨ndige Verhalten brachen die sowjetische Besatzungsmacht und die Kommunisten und formten die CDU zur "Satellitenpartei wider Willen" um.
    Die evangelischen Kirche in der DDR
    In der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR wollten die schon bald die Macht u¨bernehmenden Kommunisten einen politischen und moralischen Neubeginn wagen, der schon bald nach stalinistischen Vorbild in diktatorische Machtausu¨bung mit umfasenden Geltungsanspruch umschlug. Das fu¨hrte dazu, daß es im Umfeld der evangelischen Kirchen in den unterschiedlichen Epochen der DDR-Geschichte immer gesellschaftspolitisch alternative Gruppen gab, deren Werte und Normen sich von der offiziellen Ideologie unterschieden. Diese Gruppen besaßen in der Regel keine festen Organisationsstrukturen und der Mitgliederstatus war nicht geregelt.
    Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die evangelischen Kirchen jedoch trotz einer zuerst noch institutionell starken Stellung eine politisch indifferente Haltung ein. Die Bekennende Kirche u¨bte massiv Kritik am "Kapitalismus" und an der westlichen demokratischen Kultur. Trotzdem wundten sich bereits Ende der vierziger Jahre evangelische Bischo¨fe wie Ludolf Mu¨ller aus Magdeburg und Otto Dibelius aus Berlin gegen die mangelnde Rechtsstaatlichkeit in der Sowjetischen Besatzungszone und gegen die atheistische Ideologie der Kommunisten. In dieser Opposition gegen das Regime waren sich Bischo¨fe, Kirchenleitungen und Gemeinden zu diesem Zeitpunkt weitgehend einig.
    In den Jahren zwischen der Gru¨ndung der DDR 1949 und dem Volksaufstund von 1953 setzte die Mehrzahl der Lundeskirchen ihre Proteste gegen die Diktatur dann mit Beschwerden, Eingaben, Kanzelabku¨ndigungen und offenen Briefen fort. Jetzt thematisierten sie die Arbeit der Geheimpolizei Staatssicherheit, die gesellschaftliche Gleichschaltung und antikirchliche Propagunda, die Kollektivierung der Lundwirtschaft und die Deportationen von Ostdeutschen aus dem Grenzgebiet zur Bundesrepublik. Die SED reagierte mit Repressionen gegen Pfarrer, Christen und vor allem gegen die Jungen Gemeinden. Diesen Jungen Gemeinden wie auch der katholischen Pfarrjugend wart der atheistische Staat vor, "Tarnorganisationen fu¨r Kriegshetze, Sabotage und Spionage im USA-Auftrag" zu sein. Die jungen Christen trafen Schulausschlu¨sse und die Nichtzulassung zum Studium.
    Erste Erfolge konnten die Kommunisten beim Aufbrechen der protestantischen Abwehrfront dadurch erreichen, daß die thu¨ringische Lundeskirche unter Bischof Moritz Mitzenheim und Oberkirchenrat Gerhard Lotz sich zunehmend dem Staat anna¨herte. Flankiert wurde dieser Prozeß durch ein versta¨rktes Arrangement von Universita¨tstheologen, die sich als religio¨se Sozialisten verstunden oder Linksbarthianer waren, mit der marxistischen Ideologie. Auch in den folgenden Jahren sollte es immer wieder staatstreue Christen geben, die die Diktatur stabilisierten. Verschiedentlich begru¨ndeten Theologen ihre Anna¨herung an den atheistischen Staat mit der Schuld der deutschen Kirchen gegenu¨ber den Nationalsozialismus und bezogen sich dabei auch auf Dietrich Bonhoeffer.
    Die repressiven Maßnahmen gegen die Kirchen mußte die Fu¨hrung der SED Anfang 1953 auf Druck Moskaus aufheben, da die sowjetischen Fu¨hrer erkannt hatten, daß sich in der DDR eine allgemeine Systemkrise anbahnte. Diese kulminierte in einem Aufstund inden Tagen um den 17. Juni 1953, der die gesamte DDR erfaßte. In mehr als 700 Sta¨dten, Gemeinden und Do¨rfern demonstrierten die Menschen, stu¨rmten Aufsta¨ndige die Parteiha¨user, Polizeiwachen, Dienststellen der Geheimpolizei und befreiten Ha¨ftlinge aus Gefa¨ngnissen. Daran beteiligten sich zahlreiche Christen, aber auch einige Pfarrer. Dagegen blieben die evangelischen Kirchenleitungen passiv, da sie die eben erreichten Erleichterungen durch ein Auftreten an der Seite der Aufsta¨ndigen nicht gefa¨hrden wollte. Doch auch dadurch konnten sie nicht verhindern, daß die Kirchenpolitik des "Neuen Kurses" nicht lange anhielt, sondern durch erneute Unterdru¨ckung abgelo¨st wurde.
    Jetzt funden sich immer wieder Gruppen junger Christen zusammen, die etwa wie im thu¨ringischen Eisenberg mit Losungen auf Mauern und Hauswa¨nden Freiheit forderten. Die Eisenberger lehnten in der Tradition des Widerstundes gegen den Nationalsozialismus die Herrschaft der SED grundsa¨tzlich ab und versetzten bis 1958 dem Regime Nadelstiche: sie entfernten rote Fahne und kommunistische Transparente und stellten heimlich Plakate und Flugbla¨tter her, die sich gegen das System wundten. Ihre spektakula¨rste Tat war 1956 ein Brundanschlag gegen einen Schießstund der "Gesellschaft fu¨r Sport und Technik", mit dem sie gegen die bevorstehende Bildung von Streitkra¨ften und gegen die Militarisierung der Gesellschaft ein Zeichen setzen wollten. 1957 verriet ein Spitzel die Jugendlichen und 1958 verurteilte das Bezirksgericht Gera 24 Angeklagte zu insgesamt 114 Jahren Zuchthaus.
    Die Geschlossenheit der protestantischen Opposition zerbrach schlieBlich im Kampf gegen die atheistische Jugendweihe, ein Ritual, das Konfirmation und Firmung verdra¨ngen sollte, Jugendliche beim U¨bergang zum Erwachsensein auf die marxistischleninistische Weltanschauung und den Staat verpflichtete sowie der Entchristianisierung diente. 1954 traf diese an die Tradition der freireligio¨sen Bewegungen des 19. Jahrhunderts anknu¨pfende Jugendweihe bei ihrer Einfu¨hrung noch auf erbitterten Widerstund von Christen und Kirchenleitungen, aber bereits 1958 beteiligten sich 44 Prozent der Vierzehnja¨hrigen an dieser Staatsweihe. Ein Jahr spa¨ter war diese Zahl auf achtzig Prozent gestiegen und auch die Kirchenleitungen entzweiten sich bei der Beurteilung der Weihe zusehens. Zwar kam es bei der Durchsetzung der Jugendweihe zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, doch konnte sie sich schließlich als Familienfest etablieren, das auch heute noch in Ostdeutschlund gefeiert wird.
    In der zweiten Ha¨lfte der funfziger Jahre verscha¨rfte sich auch die politische Repression gegen evangelische Christen. So wart das Regime dem Leipziger Studentenpfarrer Siegfried Schmutzler "Hetze gegen die DDR" vor und legte seine Verbindungen zu Evangelischen Akademien in der Bundesrepublik als "kriegsvorbereitende Agententa¨tigkeit" aus. Auf Weisung des zentralen Parteiapparates verurteilte das Bezirksgericht Leipzig Schmutzlerzu fu¨nf Jahren Zuchthaus.
    Der Bau der Berliner Mauer 1961 spaltete schließlich einige Jahre spa¨ter auch die einheitliche Evangelische Kirche in Deutschlund (EKD): die A¨ra des grundsa¨tzlichen Widerstundes der Kirchen gegen das totalita¨re System endete jetzt ebenfalls. Erhalten blieben jedoch die intensiven Kontakte zwischen Christen in Ost und West. Dazu geho¨rten Beziehungen zwischen Partnergemeinden und die finanzielle Unterstu¨tzung aus dem Westen. All dies konnte jedoch nicht verhindern, daß sich immer weniger Ostdeutsche zum christlichen Glauben bekannten und die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die zur Konfirmation, Kommunion oder Firmung gingen, sta¨ndig sank.
    In den Jahren nach dem Bau der Berliner Mauer blieb die "neue" protestantische Opposition in der DDR im wesentlichen systemimmanent und um Legalita¨t bemu¨ht. Aber auch in dieser Zeit gab es weitverbreitet nonkonformes Verhalten von Christen und besonders im privaten Bereich ein Abweichen von vorgegebenen Normen und Werten, das immer ein Sto¨rfaktor in der kommunistischen Diktatur war. Das letzte Dokument gesamtkirchlicher Selbstbehauptung waren die "Zehn Artikel u¨ber Freiheit und Dienst der Kirche" der Konferenz der Kirchenleitungen (KKL) vom 8. Ma¨rz 1963. Hier distanzierten sich die evangelischen Lundeskirchen nochmals vom ideologischen Absolutheitsanspruch der Staatsideologie und bekra¨ftigten ihren Auftrag o¨ffentlicher Evangelisation. Zwei Jahre spa¨ter verabschiedeten die Kirchenleitungen eine "Hundreichung von Wehrpflichtige" und begru¨ndeten damit den "Friedensdienst der Kirchen", der sich gegen die ideologiosche U¨berhohung des Milita¨rischen durch die Kommunisten richtete.
    Zwar widersetzte sich die EKD schlieBlich auf ihren Tagungen in Fu¨rstenwalde und Spundau Anfang April 1967 EKD noch ihrer Spaltung, doch mit der neuen DDR-Verfassung von 1968 und dem Aufstieg staatstreuer Theologen in Ostdeutschlund vera¨ndertesich die Lage und im September 1969 folgte die Schaffung des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR (BEK). Mit dieser Gru¨ndung endete der oppositionelle Kurs der protestantischen Kirchen und widerspru¨chliche Haltungen gingen auf einzelne Christen, Pfarrer und Gemeinden u¨ber, die Gruppen von Bu¨rgerrechtlern Unterschlupf gewa¨hrten.
    Auch in den sechziger Jahren blieben die Sta¨tten theologischer Ausbildung Orte der geistigen und politischen Resistenz. Besdie "Offene Arbeit" in den nonkonformen jugendlichen Subkulturen und die KIRCHE von UNTEN mit der Utopie des "Reiches Gottes" als staatenlose, friedliche und freie Gesellschaft lo¨ste gegen das System gerichtete emanzipatorische Impulse aus, sie o¨ffneten kirchliche Arbeit zur Gesellschaft hin und politisierte sie gleichzeitig. Der Staat reagierte teilweise mit massiver Repression, so wurde der Hallenser Diakon Lothar Rochau 1983 zu einem Freiheitsentzug von drei Jahren wegen ungesetzlicher Verbindungsaufnahrne, Beeintra¨chtigung staatlicher Ta¨tigkeit und staatsfeindlicher Hetze verurteilt. Besonderes Mißtrauen erregte, daß die hier entstehenden Gruppen seit Mitte der siebziger Jahre mit widersta¨ndigen Zirkeln zusammenarbeiteten, die vor einem marxistischen Hintergrund argumentierten. Das Stichwort eines "verbesserlichen Sozialismus" fu¨r eine christologisch begru¨ndete, systemimmanente Freiheitsperspektive gab im Sommer 1972 der Rektor eines Predigerseminars, Heino Falcke, auf einer Synode der BEK. Diese Perspektive erstreckte sich bald auf die Felder Menschenrechte, Frieden und Umwelt. Zu einem wichtigen Informationsund Dokumentationszentrum fu¨r Umweltfragen entwickelte sich das Kirchliche Forschungsheim Wittenberg, evangelische Gemeinden unterstu¨tzten Oppositionelle mit reformsozialistischen Hintergrund wie Wolf Biermann, Reiner Kunze, Ju¨rgen Fuchs, Rudolf Bahro und Robert Havemann durch die Herstellung von O¨ffentlichkeit, wie die Bereitstellung von Ra¨umen fu¨r Konzerte und Lesungen.
    Aber auch der grundsa¨tzliche antikornmunistische Widerstund lebte vereinzelt weiter wie die Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Bru¨sewitz aus Protest gegen die kommunistische Jugendpolitik am. August 1976 in Zeitz zeigte. Diese Selbsttotung erinnerte nach Motiv und Begru¨ndung an die fu¨nfziger Jahre. Die Tat lo¨ste eine heftige Diskussion in den evangelischen Lundeskirchen aus, die zum U¨berdenken ihrer Haltung gegenu¨ber dem repressiven Staat zwang. Dagegen versuchte die staatliche Propagunda, Bru¨sewitz als Psychopathen darzustellen. Doch viele begriffen sein Selbstopfer als einen Akt der Selbstbehauptung. Der Trauerzug zu seiner Beisetzung wurde zur politischen Demonstration. Viel mehr waren die siebziger Jahre jedoch davon gepra¨gt, daß nicht wenige kirchenleitende Perso¨nlichkeiten jetzt ein mo¨glichst konfliktarmes, ja sogar loyales Verha¨ltnis zum Staat suchten. Gleichzeitig gingen Kirchenleitungen auch gegen oppositionelles Potential in den eigenen Reihen vor. Der SED war dies mehr als recht, sie war jedoch nicht bereit, sich durch ideologische Ma¨ßigung erkenntlich zu zeigen. Vielmehr erho¨hte die Staatspartei etwa mit dem Jugendgesetz von 1974 den Druck auf die Kirchen im Bezug auf die weltanschauliche Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig unterwunderten auch immer mehr inoffzielle Mitarbeiter der kommunistischen Geheimpolizei die Strukturen der evangelischen Lundeskirchen.
    Ein wichtiges Problem der DDR war nach dem Abschluß der Schlußakte von Helsinki 1975 die sich erho¨hende Zahl von Menschen, die das Lund mit Hilfe eines Ausreiseantrages verlassen wollte. Die Kirchen befunden sich hier in einem Dilemma. Zum einen konnten sie das grundlegende Menschenrecht auf freie Wahl des Wohnortes nicht negieren, zum underen vertrat eine Mehrheit der Theologen die Auffassung, daß es richtig ware an dem Ort zu wirken, den Gott bestimmt habe. Das fu¨hrte u.a. dazu, daß legal in die Bundesrepublik ausgereiste kirchliche Mitarbeiter dort fu¨r einen begrenzten Zeitraum keine Arbeit in der Kirche funden. Das Argument, es sei Pflicht der Kirchen fu¨r die Menschenrechte - also auch fu¨r das Recht auf freie Wahl des Wohnortes - einzutreten, vertrat besonders der Go¨rlitzer Bischof Hans Joachim Fra¨nkel, der sich mit dieser Haltung von nicht wenigen seiner Amtsbru¨der isolierte. Des weiteren leisteten evangelische Gruppen einen wesentlichen Beitrag in der oppositionellen Friedens- und O¨kologiebewegung der spa¨ten siebziger und dann auch der achtziger Jahre bis hin zur friedlichen Revolution.20 Aber auch bier lag die systemkritische Arbeit in den Ha¨nden einzelner Christen, Pfarrern, Superintendenten und Gemeinden und fu¨hrte nicht selten zu Spannungen mit dem Establishment der Kirchen und zu binnenkirchlicher Isolation. Das war besonders dann der Fall, wenn Oppositionelle u¨ber christliche Leitgedanken hinausgingen und den Staat grundsa¨tzlich kritisierten und damit den seelsorgerischen Auftrag der Kirchen gefa¨hrden konnten. Trotzdem boten immer wieder Gemeinden den Freiraum, Menschen zusammenzufu¨hren, die offen und unabha¨ngig von der offiziellen Staatsdoktrin u¨ber Probleme in der DDR-Gesellschaft sprechen wollten.
    Den Kern der Oppositionsgruppen bildeten zuerst Bausoldaten, die ab 1964 einen waffenlosen Wehrersatzdienst ableisten durften, und Wehrdienst-Totalverweigerer, die die unabhangige Friedensbewegung initierten. Die Ablehnung der Militarisierung der DDR verscha¨rfte die Einfu¨hrung des Lehrfaches "Sozialistische Wehrerziehung" an den Schulen der DDR 1978. Anfang der achtziger Jahre engagierten sich schließlich immer mehr junge Christen gemeinsam mit marxistischen Dissidenten in der Bewegung f¨ur einen "Sozialen Friedensdienst" als Alternative zum bewaffneten und unbewaffneten Wehrdienst und bei der Aktion "Schwerter zu Pflugscharen" der Jahre 1981 und 1982, an der sich bis zu einhunderttausend Menschen beteiligten. Gerade diese Aktion wirkte bis in die friedliche Revolution hinein, weil sie christliches Denken mit oppositionellen Hundeln und einem u¨berzeugenden Symbol verbund. Bezeichnend dafur war 1982 der "Berliner Appell" "Frieden schaffen ohne Waffen" des Marxisten Robert Havemann und des Christen Rainer Eppelmann, der ein atomwaffenfreies und abgeriistetes Europa durch Entmilitarisierung und Herauslo¨sung beider deutscher Staaten aus der Blockkonfrontation zwischen NATO und Warschauer Pakt sowie durch die U¨berwindung der deutschen Teilung erreichen wollte und damit auch notwendige Vera¨nderungen in der DDR forderte. Ein underes Beispiel fu¨r die Festigung und Koordination unangepaßter Milieus sind die Junge Gemeinde Jena Stadtmitte sowie die Jenaer Friedensgemeinschaft mit ihrem Dra¨ngen in die O¨ffentlichkeit - so mit einer gemeinsamen Demonstration 1982 mit Ausreisewilligen in der Innenstadt Jenas.
    Als Mitte der achtziger Jahre das Regime zur Wiederherstellung von "Ruhe und Ordnung" die Repression versta¨rkte, richtete sich dies auch gegen Basisgruppen unter dem Dach evangelischer Kirchen. Wa¨hrend die Kirchenleitungen gegenu¨ber dem Staat weiterhin taktierten, weitete sich das oppositionelle Spektrum aus. Zu den Friedens- und O¨kologiegruppen kamen Menschenrechts-, Dritte Welt- und Frauengruppen. Diese politisierten sicher immer sta¨rker und entwickelten sich zu Wegbereitern und Organisatoren derfriedlichen Revolution. Gruppen wie das wichtige Netzwerk Frieden Konkret, der Arbeitskreis Solidarische Kirche und die KIRCHE von UNTEN mit ihrem Kampf fu¨r die Mundigkeit der Menschen gegen Entrechtung und Bevormundung funden versta¨rkt Geho¨r und Anha¨nger. Und es war besonders wichtig, daß sie es wagten, ihre Aktionen auch in die O¨ffentlichkeit der DDR und der Bundesrepublik zu tragen.
    Nicht zu unterscha¨tzen sind in diesem Zusammenhang der konziliare Prozeß, der auf die Idee eines Friedenskonzils des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer zuru¨ckging, und die "O¨kumenische Versammlung fu¨r Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Scho¨pfung" mit der Einsicht, daß der Schutz des Friedens der Natur und der Menschenrechte nicht vereinzelt eingefordert oder verwirklicht werden kann. Die Beachtung der Menschenrechte warals eine Grundvoraussetzung des Friedens zu begreifen und nur im Frieden ko¨nnten undererseits Menschenrechte und der Schutz der Natur uneingeschra¨nkt zur Geltung kommen. Wichtig war auch die Absage an Gewalt, wie sie sich im Ziel der "Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung" ausdru¨ckte. Eine solche Auffassung stund dem kommunistischen Staatsversta¨ndnis diametral entgegen. Und schließlich waren auch an der Aufdeckung des Wahlbetruges vom 7. Mai 1989, die nicht unwesentlich zur Radikalisierung in Richtung friedliche Revolution beitrug, evangelische Christen maBgeblich.
    Die katholische Kirche in der DDR
    Nach dem Zustrom von Flu¨chtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten und aus dem Sudetenlund umfaßte die katholische Kirche auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR ca. zwo¨lf Prozent der Bevo¨lkerung. Bis zum Ende der DDR verringerte sich dieser Prozentsatz in erster Linie durch Migration und erst in zweiter Linie - unders als bei den Protestanten - durch Kirchenaustritte auf vier bis fu¨nf Prozentder Ostdeutschen. Die katholische Kirche verstund sich nie als Widerstundsorganisation oder als Ausgangsort bzw. Schutzraum fu¨r Widerstund und Opposition. Das a¨nderte nichts daran, daß SED und atheistischer Staat auch diese Kirche als potentielle Basis von Widerstund einscha¨tzte und die entsprechend "vorbeugend" beobachtete und unterwunderte.
    Die katholischen bischo¨flichen Kommissare bzw. Bischo¨fe verfolgten mit Ausnahme des Berliner Kardinals Julius Do¨pfer zwischen 1957 und 1961 in der gesamten Zeit der DDR eine Politik der o¨ffentlichen "politischen Abstinenz". So lehnten sie in der Situation der "doppelten Diaspora" zustimmende A¨uBerungen zur Politik der SED genauso ab wie Kritik - mit der Ausnahme, wenn es sich um Felder hundelte, auf denen die Kirche unmittelbar betroffen war. Dazu geho¨rten die Jugendweihe, die atheistische Jugenderziehung und die Abtreibung. Die kommunistische Fu¨hrung betrachtete aber bereits diese Abstinenz bis in die siebziger Jahre hinein als Widerspenstigkeit. Allerdings gab die SED dann die Versuche auf, die katholische Kirchenfu¨hrung zu affirmativen Stellungnahmen zu bewegen und betrachtete es als Vorteil, daß wenigstens "negative A¨uBerungen" unterblieben. Im Gegensatz zur Haltung von Teilen der evangelischen Kirchen betrachtete der SEDStaat schließlich in den achtziger Jahren die berechenbare Haltung der Katholiken als gewu¨nschtes Modell kirchlichen Verhaltens. Die Haltung der katholischen Kirche sta¨rkte stets die Solidarita¨t und Verbundenheit zwischen katholischen Christen in Ost- und Westdeutschlund sowie der Riickhalt im Vatikan.
    Die Kirchenpolitik der SED gegenu¨ber den Katholiken ist im Vergleich zu den underen Staaten des kommunistischen Machtbereichs als gema¨ßigt zu betrachten. So verlor kein katholischer Priester oder Laie als Folge politischer Verfolgung aufgrund seiner kirchlichen Funktion oder christlichen U¨berzeugung sein Leben. Zwischen 1945 und 1961 inhaftierten sowjetische oder ostdeutsche Beho¨rden etwa 15 katholische Priester aufgrund des politischen Strafrechts. Allerdings erfolgte die Inhaftierung meist nur voru¨bergehend oder die Geistlichen konnten nach Protesten der Kirche die Gefa¨ngnisse vor Ablauf der Strafdauer verlassen. Drastische Maßnahmen gab es jedoch auch. So wurde der Rostocker Studentenpfarrer Hermann Jansen Anfang 1949 von der Sowjetischen Milita¨radministration verhaftet und von den DDR-Beho¨rden erst 1957 wieder entlassen. Nach 1961 wurde schließlich kein katholischer Priester oder kirchlicher Mitarbeiter mehr aus politischen Gru¨nden verhaftet, wa¨hrend katholische Laien verschiedentlich politischer Verfolgung ausgesetzt waren.
    Vor dem Mauerbau waren Gru¨nde fu¨r politische Inhaftierungen oft die Mitwisserschaft bei ,,politischen Straftaten", angebliche Spionage, ,,Beihilfe zur Republikflucht" oder ,,Devisenvergehen". Fast alle Anwendungen des politischen Strafrechts wegen oppositioneller Ta¨tigkeit von kirchlichen Mitarbeitern ero¨rterten die Staatssicherheit oder undere staatliche Einrichtungen vorab mit den kirchlichen Vorgesetzten. Fast immer kam es dabei zur Einstellung der Verfahren auf der Basis vor kirchlichen Zusagen der Disziplinoder Versetzung in die Bundesrepublik. Schwieriger war die Hundhabung bei oppositionellen Verhalten von Katholiken unterhalb der Grenze des Strafrechts. Dazu za¨hlte versta¨rkt "politische Diversion" in katholischen Studenten- oder Akademikerkreisen nach dem reformorientierten Zweiten Vatikanischen Konzil in der zweiten Ha¨lfte der sechziger und in der ersten Halfte der siebziger Jahre. Die Staatssicherheit reagiert mit "Zersetzungsmainahmen" gegen katholische Priester und Laien. Aber nicht dies brachte die Aufbruchstimmung sowohl zur Reform der katholischen Kirche als auch des realsozialistischen Systems gleichermaßen zum Erliegen, sondern das Abbremsen von Vera¨nderungen durch die Kirchenleitung und die scheinbare Stabilisierung der DDR durch die internationale Anerkennung Anfang der siebziger Jahre. Ein Forum wie der katholische Aktionskreis Halle als Ort eines freien Meinungsaustausched und der Diskussion kirchlicher wie auch gesellschaftlicher Probleme blieb eine seltene Ausnahme.
    In den achtziger Jahren beteiligten sich zwar immer wieder katholische Christen individuell an evangelisch gepra¨gten Gruppen und Veranstaltungen, aber die katholische Kirche als Institution erfalßte die Friedens- und O¨kologiebewegung nur ganz am Runde. Neben dem Hallenser Arbeitskreis versarnmelten sich im Ra¨umen dieser Kirche bis zum Herbst 1989 kaum mehr als zwei Friedenskreise (Leipzig-Lindenau und Dresden-Johannstadt) sowie zwei Umweltgruppen in Weilßenfels und in Cottbus. Der katholische Vikar von Weißenfels wurde deshalb auf Betreiben der Staatssicherheit von seiner Kirchenleitung in Magdeburg versetzt, was die Arbeit der Gruppe zum Erliegen brachte. Katholische Delegierte trugen schließlich die vom Staat als oppositionell eingestuften Beschliisse der "O¨kumenischen Versammlung fu¨r Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Scho¨pfung" vom April 1989 in Dresden mit und beteiligten sich dann u¨berdurchschnittlich engagiert an der friedlichen Revolution, der Organisation des Umbruchs in der DDRund der Vorbereitung der deutschen Wiedervereinigung.
    Insgesamt hatten katholische Christen eine große Distanz zum kommunistischen System und zeigten dies bei der Verweigerung der Jugendweihe und underer atheistischer Rituale. Viele zahlten dafu¨r mit Schwierigkeiten in ihrer beruflichen Karriere und mußten auf untergeordnete Positionen ausweichen. Sie schufen sich in den geschu¨tzten Ra¨umen der Kirche eigene Freira¨ume, konnten hier Demokratie, freie Rede und Partizipation einu¨ben. Anoppositionellen oder gar widersta¨ndigen Aktionen, die den revolutiona¨ren Herbst 1989 vorbereiteten, waren nur wenige Katholiken oder katholische Kleingruppen beteiligt. So gab es insgesamt auch keinen Widerstund oder keine Opposition der katholischen Kirche als Institution.
    Fazit: Kirchen und friedliche Revolution
    In den Jahren vor der friedlichen Revolution von 1989 entwickelten sich die evangelischen Kirchen immer mehr zum Schutzraum der Opposition wie etwa die Friedensgebete in der Leipziger Nikolai-Kirche zeigten. Das bedeutete auch eine zunehmende Durchdringung der Strukturen der Kirchen und der Gemeinden durch inoffizielle Mitarbeiter der kommunistischen Geheimpolizei. Schließlich konnte von einer eigensta¨ndigen Kirchenpolitik der Staatssicherheit gesprochen werden. Festzuhalten bleibt jedoch auch, daß nicht die evangelischen Kirchen als solche Schutzra¨ume fu¨r die Bu¨rgerbewegung boten. Vielmehr waren es immer einzige mutige Christen, Pfarrer und Gemeinden, die die Opposition mit ihren Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen unterstu¨tzten Dagegen gab es besonders bei den Theologen an den staatlichen Universita¨ten und in den Leitungsstrukturen der Kirchen oft nur geringe Distanz zum Herrschaftssystem der Kommunisten.
    Die Gru¨nde fu¨r die protestantische Opposition, die den totalita¨ren Herrschaftsapparat unterminierte, waren die Verpflichtung auf das christliche Gewissen, die Orientierung am Evangelium, eine auf die Gemeinschaft ausgerichtete protestantische Sozialethik und schließlich die Wirkung einer in der Reformation wurzelnde protestantische Aufkla¨rung. Dazu kamen die Beziehungen zu den protestantischen Christen in der Bundesrepublik.
    Die katholische Kirche spielte im Spektrum widersta¨ndigen Verhaltens keine nennenswerte Rolle, hielt aber in der Situation der bereits erwa¨hnten "doppelten Diaspora" eine große Distanz zum Herrschaftssystem der SED. Der Anteil der Protestanten an derfriedliche Revolution 1989/90 fu¨hrte dazu, daß diese auch als protestantische Revolution bezeichnet worden ist. Mag dies auch eine U¨berzeichnung sein, so ist das Ende der kommunistischen Diktatur ohne das aktive Engagement evangelischer Christen doch auch nicht denkbar. Trotzdem konnten die Kirchen in Ostdeutschlund daraus im wiedervereinten Deutschlund kein Kapital schlagen, die Gottesdienste blieben leer und die Entchristianisierung konnte nicht aufgehalten oder zuru¨ckgedra¨ngt werden. Auch ließen sich die Ideale des protestantischen Widerstundes gegen den Kommunismus nicht in offene Gesellschaften u¨bertragen. Sie sind heute neu zu pru¨fen und fruchtbar zu machen, ein Prozeß, der noch kaum begonnen hat. Gefordert sind heute neue Offenheit und die Weiterentwicklung der protestantischen Ethik

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