E.T.A. Hoffmann blieb lange Zeit unverstanden und sein Werk erfuhr keine angemessene Wu¨rdigung. Die Stellung Hoffmanns als Dichter der Romantik wie uvberhaupt als Ku¨nstler ist umstritten. Aber in der Kennzeichnung Hoffmanns als Dichter des Phantas...
E.T.A. Hoffmann blieb lange Zeit unverstanden und sein Werk erfuhr keine angemessene Wu¨rdigung. Die Stellung Hoffmanns als Dichter der Romantik wie uvberhaupt als Ku¨nstler ist umstritten. Aber in der Kennzeichnung Hoffmanns als Dichter des Phantastischen herrscht doch U¨bereinstimmung. Diese Einheitlichkeit weist darauf hin, welche zentrale Rolle das Pha¨nomen des Phantastischen bei Hoffmann spielt. Es tritt in fast allen seinen Werken auf und behauptet ihren Platz in der Wirklichkeit der Hoffmannschen Novellen, Romane und Ma¨rchen. Ziel dieser Arbeit ist, das Wesen des Phantastischen bei Hoffmann aufzuhellen. Dabei wird kein Anspruch auf Vollsta¨ndigkeit, das heiβt erscho¨pfende Erfassung dieses Gesamtpha¨nomens bei Hoffmann erhoben. Im Rahmen dieser Arbeit ko¨nnen nur die charakteristischen Auspra¨gungen der Phantastik in seinem Ma¨rchen Nuβknacker und Mauseko¨nig dargestellt werden. Das Ma¨rchen ist die geeigneteste Form, das Phantastische zu entwickeln, weil es phantastische Begebenheiten und Handlungen aus freier Erfindung zum Inhalt hat. E.T.A. Hoffmanns Ma¨rchen gelten allgemein als seine zentralen, seine bedeutendsten Scho¨pfungen. Dabei wurde sein Ma¨rchen Nuβknacker und Mauseko¨nig aber meist nur am Rande erwa¨hnt. Das scheint mir eine Vernachla¨ssigung zu sein, denn auch es ist bezeichnend fu¨r Hoffmanns phantastische Dichtung. Gerade in dem Ma¨rchen Nuβknacker und Mauseko¨nig offenbart sich eine ma¨rchenhaft-phantastische Welt wie sonst nirgends bei hoffmann. Hoffmanns Ma¨rchen ist gekennzeichnet durch eine besondere Art der Darstellung. Es ist verwurzelt in der Wirklichkeit. Das Wunderbare in die Gegenwart zu verlegen, ist das Bemerkenswerte an seinem Ma¨rchen. In diesem Ma¨rchen treten als phantastisches Motive zwei sich feindlich gegenu¨berstehendde Ma¨chte auf, eine gute und eine bo¨se. Die bo¨se Macht greift die gute an. Ihr Auftreten und Wirken in der na¨chtlichen Szene vesta¨rkt das Geschehen immer mehr in Richtung ma¨rchenhafter Phantastik. Inde, der Dichter den Figuren menschliche Eigenschaften verleiht, wird das Phantastische mit realistischen Zu¨gen und das Realistische mit phantastischen Zu¨gen durchsetzt. Auf diese Weise verschwimmen die Grenzen beider Bereiche. Die zwei Welten bestehen nebeneinander: die bu¨rgerlich-realistische und die ma¨rchenhaft-phantastische. Sie sind jedoch nur scheinbar unabha¨ngig voneinander. Bei einer genauen Betrachtung kann man die zahlreichen Fa¨den sehen, die sich von der einen zur anderen Welt spannen und beide verbinden. Eine Beziehung besteht in der Tatsache, daβ sich die Phantastik aus der allta¨glichen Wirklichketi erhebt.