Der Begriff des Naiver., dem Brecht eine Ha¨lfte seiner theoretischen Darstellung einra¨umen wollte, ist in der Brecht-Forschung im Verha¨ltnis zu seiner realen Bedeutung nicht gebu¨hrend beachtet worden. Die Ursache dafu¨r liegt darin, daβBrech...

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1998
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600
KCI등재
학술저널
87-110(24쪽)
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Der Begriff des Naiver., dem Brecht eine Ha¨lfte seiner theoretischen Darstellung einra¨umen wollte, ist in der Brecht-Forschung im Verha¨ltnis zu seiner realen Bedeutung nicht gebu¨hrend beachtet worden. Die Ursache dafu¨r liegt darin, daβBrech...
Der Begriff des Naiver., dem Brecht eine Ha¨lfte seiner theoretischen Darstellung einra¨umen wollte, ist in der Brecht-Forschung im Verha¨ltnis zu seiner realen Bedeutung nicht gebu¨hrend beachtet worden. Die Ursache dafu¨r liegt darin, daβBrecht selbst kaum direkte theoretische Bestimmung zu diesem Begriff hinterlassen hat, und zwar deswegen, weil das Prinzip des `Naiven` in der Darlegung seiner Theatertheorie und -praxis sta¨ndig als selbstversta¨ndlich angenommen wurde. Das Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit ist es, die Frage zu erhellen, welche Bedeutungen dem Begriff des `Naiven` beim spa¨ten Brecht zufallen und welche Rolle dieser a¨sthetischen Kategorie zugewiesen wird. Dabei stellen wir uns vor allem die Aufgabe, das `Naive` hinsichtlich des dialektischen Fabelbegriffs des Stu¨ckeschreibers zu beleuchten. Fu¨r uns sind these Untersuchungen zur Bedeutung und Rolle des `Naiven` deshalb so wichtig, weil Brecht eben mit der theoretischen Ausarbeitung des `Naiven` seine Theaterarbeit besser nahezubringen glaubte, die infolge der weiteren `Dialektisierung` des Theaters letzten Endes zum Konzept des Lehrstu¨cks als `zuku¨nftiger Theaterform` fu¨hrte. Unentbehrlich ist dabei die komplementa¨re Interaktion der beiden a¨sthetischen Kategorien vom `Naivern` und der Dialektik Jedenfalls fu¨r den spa¨ten Brecht, der um der Hervorbringung der Produzentenkunst willen die Schranke zwischen Produktion und Konsumtion, zwischen Autor (Produzent) und Rezipient (Konsument), zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Kunst und Leben (Arbeit) aufzuheben trachtete. Diese Bemu¨hungen des Stu¨ckeschreibers kommen nicht zuletzt bei der dialektischen und gleichzeitig naiven Fabelerstellung und -vermittlung zugespitzt zum Vorschein. Denn der Stu¨ckeschreiber glaubte, daβdiese Gedanken der Produzentenkunst nicht ohne das Herzstu¨ck der theatralischen Veranstaltung, d. h. nicht ohne die Fabel realisiert werden ko¨nnen. Der Grand, daβbei Brecht der Begriff des `Naiven` erst in der engen Verbindung mit dem der `Dialektik` vorzufinden ist, la¨βt sick auch deshalb nur aus diesem Blickwinkel erkla¨ren. Das Verfahren des Dialektisierens der Vorga¨nge ha¨ngt mit der `naiven` Darstellung der Fabel eng zusammen, die die lebendige Beobachtung und daraus abzuleitende produktive Haltung des Eingreifens mo¨glich macht, Genau genommen bildet das dialektische Verfahren also die Grundlage fu¨r die Verfahrensweise, die Brecht als `naiv` bezeichnet hat. Dabei fa¨llt auch der Verfremdung ein besonderes Gewicht zu. Die Einfu¨hrung der Verfremdungseffekte legt es an und fu¨r sich darauf an, dem Zuschauer zur besseren Anteilnahme am dialektischen Produktionsprozeβzu verhelfen und ihn zum Ko-Produzenten zu machen. Die Ver-fremdung setzt also ein `naives` Darstellungsprinzip des Produzenten zu darzustellenden Gegensta¨nden voraus. Manfred Wekwerth sagte daze treffend: Verfremdung sei fu¨r ihn-Brechtauch Ausdruck einer groβen Naivita¨t. Nun ist einleuchtend, worauf Brecht mit der Einfu¨hrung der neuen Kategorie des `Naiven` hinauswollte. Das `Naive` als eine Darstellungsweise der Fabel ero¨ffnet den Zuschauern eine gro¨βere Genuβfa¨higkeit, das heiβt, es diem mehr der Organisierung unserer Lust an der Vera¨nderung. In diesem Sinne bleibt das `Naive` als die konkreteste a¨sthetische Kategorie nicht nur in der strukturellen Bedeutungsebene, wie Scho¨ttker meint, sondern zeigt sich daru¨berhinaus als ein Schlu¨sselwort fu¨r das a¨sthetische Programm des spa¨ten Brecht, na¨mlich das genuβvolle Lehren und Erlernen `naiver`, d. h. dialektischer Haltungen in der Aneignung von Kunst. Mit der Auffindung einer neuen a¨sthetischen Kategorie des `Naiven` soll der Charakter des `Kunstvergnu¨gens` selbst beim Lehren und Erlernen der produktiven Haltungen betont werden Mit der Einfu¨rung der `Naivita¨t` als einem vergnu¨glichen Dialektisieren hebt der Stu¨ckeschreiber vor allem den Genuβan der Produkt