Wenn man auf die neueren Untersuchungen zur Geschichte der Kindheit seine Aufmerksamkeit richtet, hat es Erziehung in dem uns vertrauten Sinne offenbar nicht immer gegeben. Nach Phillippe Arie`s ist Kindheit als eigener Lebensbereich der heranwachse...
Wenn man auf die neueren Untersuchungen zur Geschichte der Kindheit seine Aufmerksamkeit richtet, hat es Erziehung in dem uns vertrauten Sinne offenbar nicht immer gegeben. Nach Phillippe Arie`s ist Kindheit als eigener Lebensbereich der heranwachsenden Generation erst im 16. und 17. Jahrhundert entdeckt worden. Es ist erst mit dem Wandel der Familienstruktur und der sozialen und o¨konomischen Bedingungen der modemen Gesellschaft zur Hrausbildung der uns bekannten Kindheitsvorstellungen gekommen.
Spa¨tetstens mit Rousseau wurde das Recht des Individuums, seine Freiheit und die Mo¨glichkeit seiner Selbstverwirklichung gegen eine Erziehung der Anpassung und der Konvention geltend gemacht. Diese radikale Kritik an der auf die Gesellschaft ausrichteten Erziehung wurde vor allem um 1900 in der sogenannten Reformpa¨dagogik mit Begeisterung vorgetragen. Aber trotz der Konstruktion von Kindheit und die Erfindung der Erziehung steht die Erziehungstheorie der Moderne und der Reformpa¨dagogik vor einem unauflo¨sbaren Problem.
Der Mensch ist Naturwesen und Individuum. Er ist auch Gesellschaftswesen, insofern er in der Gesellschaft lebt. Aber als freies Wesen erfu¨llt der Mensch durch Denken und praktisches Handeln seine Personwerdung. Wie bei der Betrachtung des erwachsenen Menschen als Person, so muß es auch bei der Betrachtung des Kindes als Person gehen. Person-sein ist na¨mlich keine Entwicklungstatsache. Daher muß eine an der Person orientierte Pa¨dagogik als kritische Instanz begriffen werden, die fu¨r erzieherisches Handeln als regulatives Prinzip fungiert, und die die Person als Ausgangspunkt nimmt.