Die Frage nach der Relation zwischen Erstsprachenerwerb(ESE) und naturlichen Zweitsprachenerwerb(ZSE) war Ausgangspunkt dieser vergleichende Studie. Es gilt zu klaren, ob dem naturlichen ZSE, im wesentlichen die gleichen oder unterschiedlichen Entwick...
Die Frage nach der Relation zwischen Erstsprachenerwerb(ESE) und naturlichen Zweitsprachenerwerb(ZSE) war Ausgangspunkt dieser vergleichende Studie. Es gilt zu klaren, ob dem naturlichen ZSE, im wesentlichen die gleichen oder unterschiedlichen Entwicklungssequenzen und Erwrbsstrategien auftrenten wie bei Kindern, die ihre Muttersprache erwerben, Diese Frage ist in der bisgerigen Literatur bereits mehrfach erortert und auf der Basis zumeist theoretischer Uberlegungen zugunsten der S₁=S₂ bzw. S₁≠S₂ Hypothese entschieden worden. Eine S₁=S₂ Hypothese kann der Komplexitat des Phanomens nicht gerecht werden. ESE und ZSE sind als Gesamtprozeβ weder gleich noch unterschiedlich.
Um zu einer praziseren Einschatzung der Relation zwischen diesen beiden Erwerbstypen zu gelangen, muβ zun??chst deutlich nach verschiedenen Strukturbereichen differenziert werden. Jedochzeigen die Daten, daβ auch die Entwicklung innerhalb der einzelnen Strukturbereiche keineswegs gleich oder unterschiedlich verlauft. Vielmehr treten in einigen Bereichen und Teilbereichen S₂ Strukturen, Entusicklungssequenzen und Erwerbsstrategien auf, die in gleicher oder ahnlicher Form auch in ESE belegt sind, wahrend sich in anderen grundlegende Unterschiede abzeichnen.
Im Ragmen der von mir angefuhrten und verglichenen Strukturbereiche scheinen Parallelen zwischen ESE und ZSE weitgehend auf die Negation und die Interrogation beschrankt zu sein. zweifellos reicht eine reine Bestandsaufnahme der Parallelen und Unterschiede zwischen ESE und ZSE nicht aus. Vielmehr stellt sich die Frage, Warum strukturelle Paralletitat auf Bereiche wie Interrogation und Negation beschrakt ist, wahrend die Anfangsphasen unterschiedlich verlaufen. Obwohl das verfugbare Material nicht ausreicht, um hier zu entgultigen Aussagen zu gelangen, deuten die bislang gewonnenen Einsichten auf einige Regularitaten hin, die moglicherweise die Relation zwischen ESE un ZSE bestimmen. Der Erwerb einer Sprache laβt sich als das kennzeichnen, was Dulay/Burt(1974) "creative construction process" nennen. Unabhangig von den Unterschieden, die sich bei dem Vergleich von S₁ und S₂ Daten ergaben, ist unstreitbar, daβ der ZSE, ebenso wie der ESE, geordneten Entwicklungssequenzen unterliegt. Diess Studie ist keine empirische Untersuchung, sondern eine vergleichende und kritische Analyse von den vorhandenen Untersuchungsdaten. Deshalb kann ich nicht den ent cheidenen Aufschluβ uber die Relation zwischen ESE und ZSE geben.
Aber diese Beobachtungen lassen sich in folgenden zwei Hypothesen zusammenfassen:
1. Gleichen sich in einem bestimmten Bereich die Strukturen von S₁ und S₂ Model, so ist zu erwarten, daβ sich Unterschiede zwischen ESE und ZSE zeigen.
2. Unterscheiden sich in einem bestmmten Bereich die Strukturen von S₁und S₂Modell, so ist zu erwarten, daβ sich ESE und ZSE in gewissem Unfang gleichan.