In diesem Aufsatz geht es um die Anwendungsmöglichkeit und die Angemessenheit des narrativen Interviews als Instrument bei der Beförderung von Empathie. Die Anwendungsmöglichkeit und die Angemessenheit ergeben sich aus Ähnlichkeiten der konstituti...
In diesem Aufsatz geht es um die Anwendungsmöglichkeit und die Angemessenheit des narrativen Interviews als Instrument bei der Beförderung von Empathie. Die Anwendungsmöglichkeit und die Angemessenheit ergeben sich aus Ähnlichkeiten der konstitutiven Merkmale zwischen Empathie und dem narrativen Interview. Einer der Vorteile des narrativen Interviews bei der Beförderung von Empathie besteht in dem Nutzen der Unkompliziertheit der Erzählung, nämlich dass jeder seine eigenen Erfahrungen ohne Vorbereitung und Schwierigkeiten erzählen kann. Ein anderer Vorteil des narrativen Interviews hängt mit der Tatsache zusammen, dass der Erzähler nach dem Interview normalerweise sehr zufrieden ist und der Interviewer mitunter die Möglichkeit hat, Empathie-Aktivitäten in der authentischen Situation zu praktizieren, und die empathischen Reaktionen des Erzählers auf seine Empathie-Aktivitäten unmittelbar zu erleben. Das narrative Interview kann auch das Verhalten von bedingungsloser positiver Rücksichtnahme sowie Zuhör- und Empathie-Aktivitäten, die die wichtigsten konstitutiven Merkmale der Empathie sind, verbessern, da der narrative Interviewer den Erzähler nicht unterbrechen oder kritische Bemerkungen während des Interviews machen darf.
Durch die Aktivitäten „Zusammenfassung“ sowie „Fragen“, die erst in der späteren Phase des narrativen Interviews durch den Interviewer gestellt werden dürfen, kann auch das Verständnis der Erfahrungen und der inneren Welt des Interviewten verbessert werden, das als kognitiver Bestandteil der Empathie auch sehr wichtig ist.