Man weiβ, daβ man nicht bei jeder Gelegenheit von allem sprechen kann. Nach Foucault wird die Produktion des Diskurses in jeder Gesellschaft zugleich kontrolliert, selegiert, oganisiert und kanalisiert. Denn der Diskurs hat etwas unberechenbar Ereig...
Man weiβ, daβ man nicht bei jeder Gelegenheit von allem sprechen kann. Nach Foucault wird die Produktion des Diskurses in jeder Gesellschaft zugleich kontrolliert, selegiert, oganisiert und kanalisiert. Denn der Diskurs hat etwas unberechenbar Ereignishaftes und ein bedrohliche Materialita¨t. In 70er und 80er Jahren unserer Gesellschaft, in der die milita¨rische Macht als Diskurspolizei agierte, wurde die Produktion jeglicher Diskurses streng kontrolliert. Wenn man die Institution Theater betrachtet, la¨βt sich erkennen, daβ in der Zeit die Macht und das Begehren (die Gegenmacht) kra¨ftig miteinander ka¨mpften. In dem Drama `Nabelschnur`, das von Tae-sok Oh 1974 geschrieben wurde und mehrfach inszeniert wurde, lassen sich erkennen die Diskurskontrolle der Macht und ebenso die Selbstkontrolle des Autors. Die milita¨rische Macht versuchte, verschiedene Diskurse den milita¨rischen und o¨konomischen Diskursen zuzuordnen. Die von den herrsehenden Diskursen Abweichenden wurden verboten. Trotzdem (gerade deswegen) vergro¨βerte sich das Begehren, dem die Macht widerstrebte. Aber das Begehren brauchte Strategien, um trotz des Verbotes zu sprechen und zugleich um zu u¨berleben. Der Autor Tae-sok Oh wa¨hlte die Usurpation des Ko¨nigs Sejo im 15. Jahrhundert als Stoff aus. Damals vernichtete Sejo viele Menschen, die gegen seiner Macht widerstanden. Nicht nur die Widersta¨ndigen, sondern auch alle ihre Families und Vervwandten. Dieses Blutereignis fungiert im Drama `Nabelschnur` als Allegorie der Unterdru¨ckung der politischen Gefangenen in den 70er Jahren unseres Jahrhunderts. Der Diskurskontolle ausweichend, kann der Actor u¨ber die tabuisierte politische Themen sprechen, dadurch daβ er einen Umweg u¨ber die Allegorie nimmt. In diesem Fall bedeutet die Allegorie, aus anderer Sicht betrachtet, eine Selbstzensur des Actors. In der Figurenkonfiguration des Stu¨ckes zeichnet sich ein Kontrast zwischen dem Ko¨nig Sejo und der Dienerin der Familie Pak ab, die, da sie gegen die Usurpation des Ko¨nigs war, geto¨tet wurde. Der Ko¨nig tritt als ein Zeichen fu¨r die Macht auf, wa¨hrend die Dienerin die Beschu¨tzerin des Lebens personifiziert. Obwohl der Machthaber im Zentrum der Bu¨hne steht und die Dienerin in der Umgebung der Bu¨hne herumla¨uft, fu¨hlen sich die Zuschauer in die Dienerin ein, weil sie ohne Su¨nde ihren Sohn verliert und die ganze Zeit die Suche nach dem Sohn schmerzhaft veranschaulicht. Aber Sejo spielt nicht nur als negativer Antagonist, weil er einen zwiespaltigen psychischen Konflikt zeigt. Er will einerseits an seiner Macht festhalten, andererseits das Blutvergieβen seines Neffen, des ausgetriebeben Ko¨niges Tanjong, verhindern. Trotzdem kann er nicht den Tot von Tanjong verhiridern. Am Ende den Stu¨ckes schlieβt sich Sejo der nach Leben suchender Figurengruppe an, indem er dem Nachkommen der Wiederstands-Familie Pak das Leben schenkt. Der innerne Konflikt von Sejo und seine Ablenkung der Strebensziels rufen bei den Zuschauer Mitleid hervor. Dadurch ko¨nnen sie den Unterdu¨cker Sejo nicht kritisieren. In der Tat sprechen Theaterkritiker nicht u¨ber das politische Thema des Stu¨ckes, sondern hauptsa¨chlich u¨ber die innovativen Theatertechniken. Die Inszenierungen hatten Kein Problem bei der Zensur. Dieses Pha¨nomen sieht sehr ironisch aus, aber wenn man na¨her betrachtet, la¨βt sich bemerken: die Diskurskontrolle geschieht nicht nur von AuBen, sondern auch von Innen.